Gut im Scheitern: Moderatorin Katrin Bauerfeind im Interview

Katrin Bauerfeind

Von Katrin Bauerfeind denkt man, sie müsste alles im Griff haben. Die Schwäbin wurde mit der Internet-Sendung „Ehrensenf“ zur Kultfigur, war Sidekick von Harald Schmidt und moderiert so ziemlich alles, was mit Kultur zu tun hat.

Ihr erstes Buch „Mir fehlt ein Tag zwischen Sonntag und Montag“ handelt jedoch vom Scheitern. Die 31-Jährige scheitert am Nichtrauchen, beim Sport und in der Liebe. Aber sie schreibt sehr amüsant darüber. Selbst wenn etwas nicht klappt, hat sie also alles im Griff.

Frau Bauerfeind, es ist jetzt 13 Uhr, hätten wir auch schon um 9 Uhr miteinander reden können? Da hätte es mir besser gepasst.

Katrin Bauerfeind: Echt? Mir nicht. Ich mag um 9 Uhr noch nicht so gern reden. Manchmal mag ich da einfach noch ein bisschen schlafen.

Im einer Ihrer Geschichten gestehen Sie, dass Sie ungern Termine vor 10 Uhr machen, weil Sie Angst haben zu verpennen. Sind Sie immer noch die faule Sau, die Sie angeblich als Studentin waren? 

Bauerfeind: Das stimmt nicht. Als Studentin war ich keine faule Sau. In der Schule war ich das, aber im Studium war ich eher so eine Strebermaus. Ich erinnere mich noch an einen Anruf meiner Eltern, die entsetzt fragten, woher ich diesen Ehrgeiz hätte, von ihnen jedenfalls nicht. Aber es stimmt: Ich kann einfach nicht gut aufstehen. So bin ich schon geboren worden. Das kann man sich nicht aussuchen. Je später der Tag, desto besser ist meine Laune. Das hat aber nichts damit zu tun, dass ich eine faule Sau wäre. Ich habe Schuhgröße 41. Dagegen kann man auch nichts machen.

Als ich von Ihrem Buch hörte, dachte ich: Schon wieder eine Fernsehtussi, die ein Buch schreibt. Aber beim Lesen habe ich es dann nicht weglegen können. So unterhaltsam ist es.

Bauerfeind: Das freut mich sehr. Und das ist lustig, weil ich genau das schon mehrmals gehört habe.

Wie lang haben Sie die Buch-Idee schon mit sich getragen?

Bauerfeind: Ich bin mehrmals gescheitert beim Anlauf, dieses Buch zu schreiben. Aber das passt ja auch. Den ersten Gedanken hatte ich vor zwei Jahren. Damals wollte ich über den Sinn des Lebens schreiben, was sich dann aber schwieriger herausstellte als gedacht. Na gut, dachte ich, dann schreibst du halt darüber, woran man heute noch glauben kann. Irgendwann wollte ich es mit einem Kinderbuch probieren.

Was vielleicht noch schwieriger ist. 

Bauerfeind: Eben. Nur weil man mit dem Sinn des Lebens nicht klargekommen ist, heißt das ja nicht, dass man geile Kinderbücher schreiben kann. Am Ende lief es eben darauf hinaus, dass ich ganz gut scheitern kann. Das ist der rote Faden meines Lebens, der übrigens die schöneren Geschichten liefert. Wenn alles immer klappt, ist es ja ein bisschen langweilig. Zugleich hat mich das Schreiben mit sehr vielem versöhnt, was in meinem Leben schon schiefgelaufen ist.

Zum Beispiel das Verhältnis zu Ihrer Heimatstadt Aalen? 

Bauerfeind: Die Heimat ist mir ein absolutes Rätsel. Ich bin ihr immer noch mit tiefer Liebe verbunden, aber innerhalb von Minuten kann dieser unfassbare Hass auf meine Heimatstadt ausbrechen. Immer wenn ich dahinfahre, freue ich mich tierisch, aber es wird dann unerträglich. Das ist natürlich schon wieder gut, weil so etwas nur Heimat kann.

Wie viele Zigaretten haben Sie heute schon geraucht? 

Bauerfeind: Ich habe sie nicht mitgezählt. Sonst hätte ich ein sehr schlechtes Gewissen. Es hätten auf jeden Fall weniger sein können. Im Schnitt rauche ich bis zu einer Schachtel am Tag. Klingt unsympathisch, oder? Ich habe auch schon mindestens fünfmal ernsthaft versucht aufzuhören. Ohne Erfolg. Das letzte Mal war kurz vor Weihnachten, aber am 4. Januar habe ich schon wieder angefangen. Mein einziger Trost ist, dass das viel besser zur Vermarktung des Buches passt.

Im Scheitern sind Sie also richtig gut. Ist das Buch ein Plädoyer, gelassener zu werden? 

Bauerfeind: Absolut. Ich finde, es herrscht ein riesiger Optimierungswahn. Es ist unfassbar, worin man total geil sein könnte, es aber doch nicht ist. Das Scheitern ist programmiert. Dabei ist Scheitern nichts per se Schlechtes. Mein Lieblingsbeispiel sind die Post-its. Jemand versucht, einen Superkleber zu erfinden, versagt kläglich, entwickelt daraus aber die nützlichen Klebezettel. Aus dem Scheitern kann Erfolg entstehen. Deshalb ist es gut, wenn jemand sagt: „Ich gönn mir mal einen Fehler.“

Katrin Bauerfeind: Mir fehlt ein Tag zwischen Sonntag und Montag: Geschichten vom schönen Scheitern. Fischer, 224 S., 14,99 Euro. Wertung: vier von fünf Sternen

Katrin Bauerfeind liest am 24. März im Kasseler Theaterstübchen, Jordanstraße 11. Tickets: HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Von Matthias Lohr

Geboren: am 21. Juli 1982 in Aalen (Baden-Württemberg).

Ausbildung: Technikjournalismus-Studium an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin.

Karriere: Von 2005 bis 2007 moderierte Bauerfeind die erste tägliche Internet-TV-Sendung „Ehrensenf“. Danach war sie unter anderem als Sidekick von Harald Schmidt und in diversen Kultursendungen auf 3sat zu sehen.

Privates: Lebt als Single in Köln. Fernsehen: Ab dem 5. April begleitet die 31-Jährige in der 3sat-Sendung „Bauerfeind“ Promis wie Roger Willemsen als Assistentin. Foto: Bozi

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