„Man sieht auch mit dem Bauch“

Interview: Moderatorin Sonya Kraus über ihre Show „Die Unglaublichsten...“

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Sonya Kraus moderiert die Show „Die Unglaublichsten...“ auf Sat 1. 

Medizinische Wunder, Eichhörnchen mit Stromschlag, fallschirmspringende Senioren: Sonya Kraus moderiert die zweite Staffel der Ranking-Show „Die Unglaublichsten...“ - ein interview.

Gezeigt werden Videos mit emotionalen Geschichten. Im Interview verrät die 46-jährige Sonya Kraus, was ihr dabei hilft zu erkennen, ob Videos echt oder gestellt sind.

Geben Sie uns einen kleinen Vorgeschmack. Was erwartet die Zuschauer bei „Die Unglaublichsten...“?

Wir haben das altbewährte Rezept, nämlich kleine, feine Filmchen über unglaubliche Dinge, die man nicht fassen kann. Die zu, ich sage mal 98 Prozent, mit einem wunderbaren Moment enden. Ein kleines Happy End ist inbegriffen. Unterhaltsam, breit gefächert und familientauglich.

Sie moderieren jetzt schon lange. Welche Geschichte hat Sie nach all der Zeit noch überrascht?

Überraschend ist einfach zu milde gesagt. Da gibt es hoffnungslose Fälle, wo Ärzte einem Mädchen gesagt haben: Du kleine Ballettmaus wirst nie wieder laufen können. Und mit so viel Willenskraft hat es das Mädchen dann sogar geschafft, wieder tanzen zu können. Oder ein Mann verliert seine Tochter bei einem Unfall, sie ist Organspenderin und er entschließt sich, ihre Organe zu spenden. 

Er radelt dann Jahre später durch die USA und besucht die zehn Leute, die sozusagen von seiner Tochter gerettet wurden. Der Höhepunkt: Er trifft auf einen jungen Afroamerikaner, in dem ihr Herz schlägt. Es gibt die Geschichte von einem Eichhörnchen, das einen Strommast hochklettert, einen Stromschlag bekommt und zu Boden fällt. Dort trifft es auf einen Erste-Hilfe-Retter, der dem kleinen Tier minutenlang das Herzchen massiert und dann wacht es wieder auf. Man hat ganz oft, ich sag’s, wie es ist, Pipi in den Augen vor Rührung.

Was begeistert Sie an dem Format?

Dass man so überrascht wird. Es ist ein bisschen wie Magie, weil die Geschichten zum Teil unfassbar sind. Gerade ist ja auch Sommer während der Produktionsphase, das heißt, ich habe meine zwei Kleinen an der Backe. Und wenn ich dann sage: „Die Mama muss jetzt Clips sichten“, war da Protest, bis ich angefangen habe, mit ihnen zu gucken. Die dürfen die Videos vorab sehen und sind immer ganz begeistert. Seitdem heißt es: „Mama, hast du schon die Clips bekommen?“

Wer wählt die Clips aus?

Meine Redaktion macht das in Zusammenarbeit mit mir. Ich habe da durchaus fachkompetente Mitsprache. Bei so vielen Clipshows, die ich schon gemacht habe, weiß ich, was die Leute berührt. Das ist Teamwork. Die Vorauswahl aus dieser Masse von Clips weltweit wird von der Redaktion getroffen. Das ist ein Prozess von Monaten. Alles muss ja, weil es international ist, auch noch vertont werden, und die Rechte müssen abgeklärt werden.

Nach welchen Kriterien werden die Clips ausgewählt?

Nach der Unglaublichkeit (lacht). Das ist definitiv Kriterium Nummer eins, und Nummer zwei ist, dass einem warm ums Herz wird. Also es ist nicht nur der schockierende Hingucker, sondern es geht noch tiefer: Wir schauen, was ist die Geschichte dahinter?

In welchen Situationen haben Sie die Echtheit der Clips angezweifelt?

Wenn man Profi ist, kann man das schon deutlich erkennen. Unsere Cutter sind mit allen Wassern gewaschen und sehen jede Manipulation sofort. Das ist auch Teil der redaktionellen Arbeit, dass man die Authentizität prüft, ob die Geschichte dahinter stimmt.

Wie schafft die Redaktion den Spagat, dass die Clips auf den Zuschauer zwar unglaublich, aber nicht gestellt wirken?

Teilweise sieht man, dass es Momentaufnahmen waren, dass die Clips nicht geplant und hochauflösend gefilmt sind. Man sieht nicht nur mit den Augen, sondern auch mit dem Bauch. Das sind so viele minimale Regungen, Stimmlagen. Viele unterschätzen den Zuschauer, der sieht nicht nur mit den Augen und hört mit den Ohren, sondern er fühlt mit dem Herzen.

Es gibt ja viele Clipshows. Wohin kann sich das Ganze noch entwickeln, wenn immer alles noch unglaublicher sein muss?

Man muss da einen großen Strich ziehen zwischen unglaublich und sensationslüstern. Da sind unsere Grenzen relativ eng gesteckt, weil die Show um 20.15 Uhr läuft.

Was unterscheidet „Die Unglaublichsten…“ von ähnlichen Formaten?

Ich glaube, dass man mit so einem warmen Gefühl rausgeht. Ohne Häme. Wenn sich im Clip jemand verletzt, geht es uns nicht um die Verletzung. Wie wurde geholfen? Das ist die Geschichte. 

Show – Sat 1, 20.15 Uhr

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