Moderatorin wird Stewardess: N24 hat Wetterbericht an Air Berlin verkauft

Moderatorin Miriam Pede als Air-Berlin-Stewardess. Unten rechts wird der Hinweis „Dauerwerbesendung“ eingeblendet. Foto: nh

Der Nachrichtensender N24 hat seinen Wetterbericht in eine Dauerwerbesendung umgewandelt: Mehrmals täglich präsentiert Moderatorin Miriam Pede unmittelbar nach den Nachrichten das Wetter in der blau-roten Stewardessen-Uniform von Air Berlin.

Die Fluggesellschaft ist seit Langem Werbepartner des 2004 gegründeten Senders. Wurde seitdem lediglich mit einem kurzen Einspieler auf das Wetter hingeleitet, zieht sich das Sponsoring jetzt durch die gesamte Präsentation. So sind auf der Wetterkarte auch Reiseziele wie Sylt und Usedom zu finden – die dortigen Flughäfen werden von Air Berlin angeflogen.

Pede, die Journalismus studiert und als Redakteurin für verschiedene Radio- und Fernsehsender gearbeitet hat, wird zur Air-Berlin-Botschafterin. Sie begrüßt die Zuschauer mit Sätzen wie „Das Wetter ist zum Davonfliegen und ich empfehle Ihnen Bangkok“ und weist auf weitere Sonderangebote hin.

Rechtlich ist an dieser neuen Form der Verzahnung von Werbung und Information nichts auszusetzen – auf dem Bildschirm wird vorschriftsmäßig das Wort „Dauerwerbesendung“ eingeblendet. Einige Zuschauer zeigen sich dennoch irritiert: „Wer sich als ernsthafter Nachrichtensender verkaufen will, sollte auf solche Sonderwerbeformen verzichten oder sich darauf einstellen, zukünftig möglicherweise nicht (mehr) als seriös gelten zu können“, kommentiert eine Zuschauerin in einem Internetforum zur Sendung. N24-Sprecherin und Marketingleiterin Kristina Faßler sieht kein Glaubwürdigkeitsproblem: „Air Berlin ist unser jahrelanger Partner. Die Dauerwerbesendung sehen wir als konsequenten nächsten Schritt. Wir finden, es ist eine intelligente Form der Werbung, weil der Zuschauer Informationen bekommt, die er wirklich gebrauchen kann.“

Auch wenn Reiseziele angepriesen werden, ändere sich nichts am Nutzwert: „Wir vermelden schließlich nicht Sonne statt Regen, nur weil das vielleicht besser passen würde.“ Um eine klassische journalistische Leistung handele es sich ohnehin nicht, da die Daten von externen Dienstleistern geliefert und lediglich wie von Air Berlin gewünscht aufbereitet werden.

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