Die Kasseler Musiktage 2010 setzen zwei Schwerpunkte: Musik von Heinrich Schütz und Zeitgenössisches

Moderne von einst und jetzt

Heinrich Schütz Foto: nh

Kassel. Louis Spohr beherrschte im vergangenen Jahr das Kasseler Musikleben. In diesem Jahr nun rücken die Kasseler Musiktage vom 28. Oktober bis 14. November einen anderen Komponisten, der mit Kassel eng verbunden ist, in den Blickpunkt: Heinrich Schütz (1585-1672).

Schütz gilt als bedeutendster deutscher Komponist vor dem 100 Jahre später geborenen Johann Sebastian Bach. Landgraf Moritz entdeckte das Talent des jungen Schütz und ermöglichte ihm ab 1609 zunächst in Kassel eine Ausbildung, bevor er ihm ein dreijähriges Studium in Venedig bei Giovanni Gabrieli finanzierte.

Schütz kehrte danach nur kurz nach Kassel zurück und verbrachte einen Großteil seines Lebens in Dresden, wo er auch starb. Von ihm ist fast ausschließlich Vokalmusik erhalten. Heute ist Kassel Sitz der Internationalen Heinrich-Schütz-Gesellschaft. Deren Heinrich-Schütz-Fest, das erstmals seit 1972 wieder in Kassel stattfindet, wird als Gemeinschaftsprojekt mit den Kasseler Musiktagen veranstaltet.

Schütz’ Lebenszeit war geprägt von den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) und dem Modernisierungsschub, den er für Europa gleichzeitig bedeutete: Es folgte die prachtvolle Epoche des Barock. Zudem lösten die Eroberung Amerikas und die Entdeckung Ostasiens eine erste Globalisierungswelle aus.

Im Spannungsfeld der damals modernen Musik von Schütz und dem Schaffen heutiger Komponisten siedelt Dr. Dieter Rexroth, der künstlerische Leiter der Kasseler Musiktage, sein Programm an.

Dazu werden bekannte Ensembles für alte (Vokal-)Musik wie die Cappella sagittariana Dresden, das Ensemble Weser-Renaissance Bremen und das Ensemble Cantus Cölln (Leitung: Konrad Junghänel) nach Kassel kommen.

Aber auch die Kasseler Musikszene ist eingebunden. Eckhard Manz und das Vocalensemble Kassel werden ein Auftragswerk der italienischen Komponistin Lucia Ronchetti über Schütz’ „Musikalische Exequien“ uraufführen.

Das Eröffnungskonzert bestreitet in diesem Jahr nicht das HR-Sinfonieorchester, sondern das Kasseler Staatsorchester mit Patrik Ringborg. Auf dem Programm stehen Wunderhornlieder von Gustav Mahler und die 9. Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch. Das HR-Orchester kommt ebenfalls nach Kassel - unter anderem mit der 4. Sinfonie von Arvo Pärt (74), der im aktuellen Programm eine wichtige Rolle spielt.

Noch mehr als in den Jahren zuvor werden Lesungen mit Musik und theatralische Aktionen eine Rolle spielen. Eine siebenteilige Lesungsreihe des „Simplicius“ von Grimmelshausen wird mit Uraufführungen von Auftragskompositionen begleitet, und die Sängerin und Aktionskünstlerin Salome Kammer wird ein Programm von Hildegard von Bingen bis John Cage präsentieren.

Vokalmusik in vielen Formen soll die Musiktage prägen. Eine Kirchenoper von Thomas Daniel Schlee, Liedkompositionen junger Komponisten und ein Abend der Barockoper sollen dazugehören.

www.kasseler-musiktage.de

Von Werner Fritsch

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