Deutschlands bekannteste Musette-Akkordeonistin Lydie Auvray bewegte das Publikum im Piazza

Momente einer großen Tradition

Wie in einem Pariser Club: Lydie Auvray bei ihrem Auftritt in Vellmar. Foto: Schachtschneider

Vellmar. Aus ihrer Heimat, der Normandie, importierte die junge Lydie Auvray in den Achtzigerjahren den charmanten Akkordeon-Sound Frankreichs nach Deutschland. Ihre Pionierarbeit für die Neuentdeckung der Ziehharmonika kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die Schallplatten, erschienen im links orientierten Pläne-Verlag, wischten das volkstümelnde Image des Akkordeons weg, es war auf einmal „cool“.

Also eine Legende des Akkordeons, welche am Freitagabend im ausverkauften Kulturzentrum Piazza unter dem Motto „pure“ ein Solo-Konzert auf dem eigens für sie gebauten Pigini-Knopfakkordeon darbot.

Nun ist seit den Achtzigerjahren in der Akkordeonszene viel passiert, Musette und Tango gehören längst ins Unterrichtsrepertoire, und junge Akkordeonistinnen wie Cathrin Pfeifer und Veronika Todorova suchen neue Sounds und Wege.

Lydie Auvray macht da das einzig Richtige: Sie bleibt sich selbst treu. Ihre vielen Eigenkompositionen atmen jeden Moment die Tradition der großen „Café de Paris“-Epoche. In diese Zeit, vielleicht in einen kleinen Club am Montmartre, fühlt man sich zurückversetzt: ein Barhocker, ein roter Spot, eine Frau in Schwarz, die ein weiß glitzerndes Akkordeon zum Singen bringt.

Und das ist die große Kunst von Lydie Auvray, die elegant fließenden Melodien voller Sentiment, hier ein wenig frecher Java, wie er bei einem „Bal Musette“ in der Vorstadt getanzt wurde, da ein typischer Lento-Walzer aus der Zeit, als die Filme noch Schwarz-Weiß waren. Anhaltender Beifall und zwei Zugaben.

Von Hartmut Schmidt

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