Die amerikanische Sängerin und Songwriterin Vienna Teng poppig-zart und melancholisch

Momente süßer Schwermut im Kulturzelt: Vienna Teng überzeugte mit gefühlvollem Gesang

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Klare Gesangsstimme: Die Amerikanerin Vienna Teng im Kulturzelt. 

Kassel. Bevor sie den Flügel streichelte und ihre klare, gefühlvolle Gesangsstimme erzählen ließ, wollte sich Vienna Teng erst mal dem Publikum vorstellen. Das in einem ausverkauften Zelt ohne Mikro zu probieren, war aber ein etwas kurioses Unterfangen.

Die Reaktionen am Freitagabend aus dem Auditorium kamen sofort: „Lauter, ich höre nichts“, klang es etwas missmutig. Es blieb der einzige Moment, in dem sich die in Kalifornien geborene Künstlerin mit taiwanesischen Wurzeln und das Publikum nicht verstanden. Ein Konzert voller Gefühl folgte. Schon im letzten Jahr sorgte die sensible Musikerin im Kulturzelt für zärtliche Momente.

Ein fragiles Netz aus Folk, Pop, Klassik und Jazz verwebt sie auch auf ihrem aktuellen Album „Inland Territory“. Die ersten Stücke bringt sie ohne ihre Begleiter Ward Williams (Gitarre, Cello) und Alex Wong (Percussion). Eine Frau, ein Flügel und jede Menge Gefühl. Zumindest, wenn es um ihre Musik geht. Die Kommunikation mit dem Publikum bleibt ein wenig unterkühlt. Etwas unnahbar und verschlossen kommen ihre Kommentare. In ihren Liedern aber breitet sie ihre ganze Seele aus.

Ihre Gesangsmelodien besitzen streichelschönes Hitpotenzial. Dennoch klingen sie nie platt oder oberflächlich, und sind darüber hinaus sehr intelligent nuanciert. Die Lieder der bald 33-Jährigen erzählen von tiefen Gefühlen („Kansas“), ihrer Familie („Grandmother Song “), aber auch von politischen Brennpunkten wie „Oh Gringo“, in dem es um mexikanische Immigranten geht.

Ob zärtlich gehaucht, melodramatisch geklagt oder auch mal mit einer Prise Pop-Rock angeschoben – süße Schwermut bleibt Trumpf.

Ihre Experimentierfreude lässt Teng mit einfließen. So mithilfe ihrer „Roboter“, wie sie lächelnd die Technik bezeichnet, kleine Begleitmelodien oder rhythmische Kürzel auf Band zu singen und damit zeitgleich ihren Gesang zu begleiten. Auch der vielseitige Ward Williams, der per Gitarre oder mit sanften Cellostrichen den Gänsehautfaktor erhöhte und Percussionist Alex Wong, der als gefühlvoller Balladensänger überzeugte, begeisterten das Publikum. Lang anhaltender Schlussapplaus, Zugaben folgten.

Nächste Konzerte im Kulturzelt an der Drahtbrücke: Mittwoch und Donnerstag, 19.30 Uhr, spielen Earth, Wind and Fire Experience Featuring the Al McKay Allstars. Karten: 0561-203204.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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