Das Nils Landgren Quartet verbreitete jazzige Magie und viel Charme im Kasseler Kulturzelt

Mond, Sterne und rote Posaune

Butterweiches Spiel: Nils Landgren und seine rote Posaune beim Auftritt im Kasseler Kulturzelt. Foto:  Malmus

KASSEL. „Ich bin Schwede und spiel’ Posaune“ - das wussten die meisten Besucher ja, aber dass Nils Landgren auch ein guter Sänger mit hoher, rauchiger Stimme und einer Vorliebe für romantische Balladen ist, überraschte doch einige. Mit seinem Quartett bot er ein Kontrastprogramm zu seiner hochtourig laufenden Funk Unit, hier basierend auf dem aktuellen Album „The Moon, The Stars And You“.

In perfektem Deutsch parlierend, hatte der 56-jährige gern gesehene Kulturzelt-Gast gut gelaunt zur großen Charme-Offensive geblasen und gewann die Kasseler mit Komplimenten und allerlei Geschichtchen im Handstreich. So konnte man einiges über Bahnschaffner, WC-Pömpel, Augenkrankheiten und Gedächtnislücken erfahren.

Gleich im Auftaktsong präsentierten sich alle Musiker mit einer kurzen Soloeinlage. Hier wie im gesamten Konzertverlauf besonders hervorstechend der begnadete Pianist Michael Wollny, der stets die Stimmungen sensibel auffing und solistisch das Publikum zu Szenenapplaus mitriss. Durch raffinierte Dämpfung oder Auflegen eines Glases auf die Klaviersaiten erzielte er verblüffende Klangvariationen auf dem Konzertflügel.

Landgren überzeugte mit teilweise butterweichem, ansatzlosem Spiel, ließ aber auch einige trickreiche Hochgeschwindigkeitsläufe einfließen, wenn dann doch mal der Funk aufblitzte wie in „This Masquerade“, dem ersten Highlight des Abends.

Eva Kruse am Kontrabass und Drummer Rasmus Kihlberg bildeten dabei das stabile Rhythmusfundament der Band. Bei Stings „Fragile“ in einer Gänsehaut hervorrufenden Duo-Version verharrten die Zuhörer in atemloser Stille.

Auch Songs von Cat Stevens und Henry Mancini wurden interpretiert, und bei Herbie Hancocks „Stars In Your Eyes“ hielt es die Besucher des voll besetzten Zelts nicht mehr auf den Sitzen. Die Zugaben mit der „Sex Machine“ beendeten das zweistündige Spitzenkonzert.

Die nächsten Termine: Donnerstag: Hugh Masekela, Freitag: Reinald Grebe (ausverkauft), Beginn 19.30 Uhr. Karten: 0561-203204.

Von Wolfgang Wollek

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