Monet in in Paris: Erste große Werkschau des Impressionisten seit 30 Jahren

Farbspiele im Licht: Claude Monets „Le palais Contarini“ von 1908. Foto: Grand Palais

Paris. „Da hängen Bilder, die hätte ich Monet nie zugeordnet”, sagt eine Besucherin. Kein Wunder. 200 Gemälde von Claude Monet (1840 bis 1926), aus aller Welt zusammengeholt, zeichnen im Grand Palais in Paris alle Lebens- und Schaffenperioden des Künstlers nach.

Von den Anfängen im Stil des Realismus bis zu Bildern, die allein auf die Effekte von Licht und Farbe setzen. Eine Werkschau wie diese gab es zuletzt vor 30 Jahren.

Nein, das blühende Mohnfeld, auf so vielen Grußkarten verewigt, fehlt nicht. Auch die Seerosen von Giverny sind dabei. Aber wenige. Der Audioguide, den es wegen der vorzüglichen Erläuterungen auf Deutsch trotz stolzen Preises von fünf Euro zu leihen lohnt, empfiehlt einen Besuch im Pariser Musée l’Orangerie. Dort hängen Monets 17 Meter breite Seerosen-Panoramen.

Die Ausstellung macht Monets Entwicklung an Wohnorten, Reisezielen und familiären Stationen fest. Sie zeigt ruhige Flusslandschaften beim Dörfchen Argenteuil nahe Paris, wo Monet einige Zeit lebte, und Gemälde aus Holland oder Venedig. Die Cote d‘Azur erstrahlt in einem leuchtenden Himmelblau, das den Namen der Küste selten intensiv unterstreicht. Das Parlament in London verschwindet im Nebel.

Für den Pariser Salon, maßgeblich für finanziellen Erfolg, schuf der zunächst verkannte Monet die großformatige „Camille im grünen Kleid” (1866). Doch Menschen sind oft Staffage, ohne Details aus Farbflecken zusammengesetzt, zurücktretend hinter den Wirkungen des flirrenden Lichts auf dem Wasser oder im Qualm der Loks auf dem Bahnhof Saint Lazare. Diese Kathedrale des Fortschritts, wie sie Monet nannte, hat er mehrfach gemalt, ebenso Bahnbrücken oder Kohlearbeiter – die moderne Technik faszinierte

ihn.

Eine echte Kathedrale, die von Rouen, markiert die Hinwendung zur Serie, um verschiedene Lichtwirkungen aus dem selben Blickwinkel festzuhalten. Fünf Versionen hängen im Grand Palais, als einzige mit Pendant, nämlich Popart-Versionen der Kirche von Roy Lichtenstein, die ihr Vorbild nicht verleugnen.

In der Ausstellung fehlt sein folgenreichstes Bild „Impression soleil levant” (1872) - Eindruck bei Sonnenaufgang - mit dem Hafen von Le Havre im Morgendunst, das dem Impressionismus den Namen gab. Der Audioguide rät, es im Musée Marmottan anzuschauen - dort läuft eine Konkurrenzschau mit weiteren 136 Werken.

Bis 24. Januar im Grand Palais Paris. Reservierung mitsamt Zugangszeit im Internet möglich, die Karte kann man zu Hause am PC ausdrucken (12 Euro plus ein Euro Internet-Gebühr). www.grandpalais.fr

Im Musée Marmottan Monet in Paris sind bis 20. Februar 136 Bilder unter dem Titel „Monet: son musée“ zu sehen. Reservierung mit Zugangszeit per Internet (11 Euro) , die Karte kann man sich zuschicken lassen oder in Paris abholen. www.marmottan.com

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