Michel Piccoli wird 85 Jahre alt - Er drehte 220 Filme

Eine Schauspieler-Legende: Michel Piccoli. Fotos:  picture-alliance

Michel Piccoli ist der Mann mit den sparsamen Gesten. Dem französischen Star gelingt es dadurch, seine Figuren immer ein klein wenig undurchdringlich wirken zu lassen. So auch in einem seiner berühmtesten Filme, in dem er 1963 seine erste Hauptrolle spielte.

In Jean-Luc Godards „Die Verachtung“ liegt Brigitte Bardot als Camille nackt auf einem zerwühlten Bett und fragt Michel Piccoli (ihren Mann Paul), ob er ihre Brüste, ihre Brustwarzen, ihre Schultern, ihren Hintern liebe.

Er bejaht jedesmal, doch vor allem scheint es, als sage die Kamera (und damit auch der Filmzuschauer) auf diese Fragen unablässig Ja. Doch bei diesem Betrachten und Betrachtetwerden ist bei beiden Figuren eine tiefe Traurigkeit zu spüren - die Ehe ist den Film über in einem Auf- und-Ab-Taumel und geht schließlich in die Brüche.

„Das Mädchen und der Kommissar“: Felix (Michel Piccoli) und Lilly (Romy Schneider), 1970.

Michel Piccoli startete nach „Die Verachtung“ richtig durch. Am 27. Dezember wird der Star 85 Jahre alt - rund 220 Filme hat Monsieur Cinéma mittlerweile gedreht, und er steht auch im Alter noch vor der Kamera - etwa als Papst in „Habemus Papam“ von Nanni Moretti, der nächstes Jahr ins Kino kommen soll.

Michel Piccoli - der Vielseitige. Er spielte Liebhaber, Mörder, Zyniker, Ehemänner. Doch vor allem Vertreter des Großbürgertums, da konnte er sein Talent für das Andeuten von persönlichen Abgründen voll ausspielen.

Piccoli wurde 1925 als Sohn eines italienischen Einwanderers in Paris geboren, sein Vater war Geiger, seine Mutter Pianistin. Michel spielte schon als Kind Theater, nach der Schule nahm er Schauspielunterricht.

Auch während seiner Filmkarriere arbeitete er immer wieder fürs Theater. Piccoli hat eine Tochter und war in den 70ern mit Sängerin Juliette Gréco verheiratet. Ludivine Clerc ist aktuell seine dritte Ehefrau.

Avantgardekunst

Mit dem Avantgardisten Luis Buñuel arbeitete Piccoli für Filme wie „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“ und „Schöne des Tages“ zusammen - längst Klassiker. Mehrfach stand er mit Romy Schneider vor der Kamera, in dem Erfolgsstreifen „Das Mädchen und der Kommissar“, in „Trio Infernal“, „Die Dinge des Lebens“ und „Die Spaziergängerin von Sans Soucis“, ihrem letzten Werk.

Weitere Erfolge waren „Themroc“, „Der Sprung in die Tiefe“ „Die Nacht ist jung“, „Eine Komödie im Mai“ und „Die schöne Querulantin“. Hohe Wellen schlug 1973 der Skandalfilm „Das große Fressen“. Marco Ferreri inszenierte 1973 Piccoli, Marcello Mastroianni und andere Stars für die wollüstige Orgie um vier Männer, die mit übermäßigem Essen Suizid begehen wollen.

Piccoli sagte einmal, er strebe an, den Zustand zu erreichen, wo er das, was er darstellen will, im Moment des Spielens erfinden kann. Doch bis es soweit sei, arbeite er sehr hart, um dann auf den Punkt aufscheinen zu lassen, was seine Figur ausmacht.

Von Bettina Fraschke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.