Neu im Kino: Spike Jonze verfilmt etwas lahm „Wo die wilden Kerle wohnen“

Monster machen müde

Schau mir in die Augen, Kleiner: Der neunjährige Max (Max Records) freundet sich mit den wilden Kerlen an. Foto: Warner

Es ist kein gutes Zeichen bei einer Kinderbuchverfilmung, wenn kleine Mädchen und Jungen weinend aus dem Kino fliehen. So soll es gewesen sein vor zwei Jahren, als Warner Bros. eine erste Version von Spike Jonzes „Wo die wilden Kerle“ vor ausgesuchten Gästen testen ließ. Es war nicht das einzige Missverständnis, seit der US-Regisseur Mitte der 90er die Idee hatte, Maurice Sendaks Kinderbuchklassiker auf die Leinwand zu bringen.

Das Bilderbuch erzählt vom kleinen Max, der aus Protest gegen die Autorität seiner Mutter zu den wilden Kerlen segelt, sich zum König der Monster machen lässt, in der Traumwelt dann aber Heimweh bekommt und schließlich froh ist, dass das Abendessen auf dem Tisch zuhause noch warm ist. Jonze, der mit Musik-Clips und dem schrägen Drama „Beeing John Malkovich“ berühmt wurde, liebte die Geschichte schon als Kind. Mit dem Schriftsteller Dave Eggers verfasste er ein Drehbuch, das gleich mehrere Studios ablehnten. Als 2006 doch gedreht wurde, kippten die Darsteller in den riesigen Monsterkostümen um, weil die Köpfe zu schwer waren, und am Ende soll Warner immer mehr Nachbesserungen gefordert haben.

Kein Kind wird nun mehr heulend weglaufen, wenn es die Endfassung sieht. Aber fesselnd im Kinosessel werden die Kleinen auch nicht sitzen. Jonze hat mit dem zwölfjährigen Max Records einen Nachwuchsschauspieler gefunden, der einen sofort gefangen nimmt. Die kuscheligen Monster, die von Puppenkünstler Jim Henson („Sesamstraße“) gestaltet wurden, lässt er durch den Wald springen und Berge hinunterkullern, als seien sie Stuntmen der „Jackass“-Show, für die Jonze einst den Kinofilm drehte. Und von Karen O, der Sängerin der New Yorker Indie-Rock-Band Yeah Yeah Yeahs, ließ er sich einen stimmungsvollen Soundtrack schreiben.

Nur der Plot, der ist auf der Strecke geblieben. Während der 100 Minuten passiert kaum mehr als auf den 40 Seiten von Sendak im Original. Es geht um abweichendes Verhalten, Freundschaften und das Gefühl, dazu zu gehören. Die Monster, das lernt der kleine Max schnell, sind auch nur Menschen. Einer von ihnen wünscht sich einen „Ort, an dem nur das passiert, was man sich wünscht“. Gemeinsam bauen sie eine riesige Festung, bis alle zerstritten und die Wünsche zerplatzt sind. Von Jonzes Traumwelt hätte man sich mehr Action erwünscht - so aber kann man beim Träumen einschlafen.

Genre: Kinderbuchverfilmung

Altersfreigabe: ab sechs

Wertung: !!!::

www.hna.de/kino

Von Matthias Lohr

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