Jugendstück „Timm Thaler“ hat Premiere im Jungen Theater

Moral ohne Zeigefinger

Düster: Barons Lefuet (Dirk Böther, links) gewinnt immer mehr Macht über Timm (Philip Leenders). Foto: Eulig

Göttingen. Es ist ein Klassiker in der Literatur: Der Protagonist geht einen Handel mit dem Teufel ein und erkennt erst dann die wahren Werte des Lebens. Was bei Goethes „Faust“ funktionierte, geht auch in einer Kinder- und Jugendgeschichte auf. Der Roman- und Fernsehklassiker „Timm Thaler oder: Das verkaufte Lachen“ hatte am Sonntag Premiere im Jungen Theater in Göttingen.

Timm Thaler (Philip Leenders) hat seinen Vater verloren. In seiner Not besucht ihn der geheimnisvolle Baron Lefuet (Dirk Böther). Er überredet den Jungen zu einem Tausch: Sein einzigartiges Lachen gegen die Fähigkeit, jede Wette zu gewinnen. Timm sagt zu, stellt aber schnell fest: „Arm sein ist schlimm, aber nicht lachen zu können, ist viel schlimmer.“ Mithilfe seiner Freunde Kreschimir (Gintas Jocius) und Steuermann Jonny (Constanze Passin) gelingt es Timm, sein Lachen zurückzugewinnen.

Obwohl die Moral nicht nur einmal wiederholt wird, ist bei der Inszenierung an keiner Stelle der erhobene Zeigefinger zu spüren. In ihren gegensätzlichen Rollen ergänzen sich Leenders und Böther wunderbar: Leenders als kindlich-naiver Timm, Böther als herrlich bösartiger Baron, dessen Lachen allein seine Abgründe verraten. Besonders eindrucksvoll: die Szene, als Timms Lachen an den Baron übergeht. Während Leenders Miene versteinert, blüht Böther scheinbar im Lachen auf.

Obwohl die eingespielte Musik Erinnerungen an die Fernseh-Verfilmung von 1979 weckt, orientiert sich die Inszenierung von Ina Annett Keppel mehr an der Romanvorlage von James Krüss. Viel Zeit wird darauf verwendet, Reichtum als Laster zu enttarnen - im Gegensatz zum Lachen, das „Freiheit von innen“ verspricht. Bühnenbild und Kostüme sind schlicht gehalten. Wirkungsvoll werden aber zwei dünne Vorhänge im Spiel mit Licht und Schatten eingesetzt.

Trotz aller düsterer Tragik fehlt es dem Stück nicht an Humor. Vor allem die neun Rollen von Gintas Jocius, darunter die Bäckersfrau oder ein überdrehter Schulfreund, sorgten für Lacher. Obwohl das Ende der Geschichte bekannt ist, bleibt es bis zum Finale der 90-minütigen Vorstellung spannend und mitreißend.

Weitere Termine: 24., 29. Oktober, 11., 14. November; Kartentelefon: 0551 - 49 50 15.

Von Verena Schulz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.