HNA-Kritik

Moral statt Mord: Matthias Lohr über den „Polizeiruf“ aus Potsdam

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Kriminalhauptkommissarin Olga Lenski (Maria Simon) und Polizeihauptmeister Horst Krause (Horst Krause) ermitteln, unter welchen Umständen die Frau im Saloon eines Freizeitparks nackt zusammengebrochen ist.

HNA-Redakteur Matthias Lohr hat sich den neuen "Polizeiruf 110" genau angesehen - und vergleicht ihn mit Til Schweigers "Tatort"-Debüt.

Nach diesem „Polizeiruf 110“ aus Potsdam sollte man sich noch mal Til Schweigers ersten Auftritt als „Tatort“-Kommissar anschauen.

In Hamburg gab es schon in den ersten Minuten drei Tote, ständig explodierte etwas, Schweiger flog durch Scheiben und überholte zu Fuß Autos. Im RBB-Polizeiruf „Vor aller Augen“ hingegen passierte in 90 Minuten so viel wie bei Schweiger in fünf – und trotzdem war es ein guter Krimi mit Olga Lenski (Maria Simon) und dem unerschütterlichen Horst Krause.

Regisseur und Autor Bernd Böhlich erzählte ganz gelassen von einer Werft, die die besten Zeiten hinter sich hat, von Sekretärinnen, die nun englisch reden müssen und daran scheitern, sowie von einer Chefin, die Angst und Schrecken verbreitet und der niemand hilft, als die Diabetikerin einen Insulinschock bekommt.

Nicht mal eine Leiche gab es, aber viele Verdächtige, die hofften, der böse Boss würde bald eine sein. Selbst der Vater des Opfers hasste seine Tochter – und wurde von Otto Sander großartig gespielt. Dieser „Polizeiruf“ zeigte, dass es im Sonntagabendkrimi nicht um Mord geht, sondern um Moral.

E-Mail an den Autor: mal@hna.de

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