Mord mit Erdnüssen: Ingrid Noll in Waldeck

Rabenschwarzer Humor im Buch und auf der Bühne: Krimi-Autorin Ingrid Noll war auf Schloss Waldeck zu Gast. Foto: Jäger

Waldeck. Bitterböse und lustig war die Krimi-Lesung mit Autorin Ingrid Noll beim Literarischen Frühling auf Schloss Waldeck.

Grauer Blazer, schwarze Hose, rotes Tuch, das linke Bein übergeschlagen: Ingrid Noll hat es sich im holzgetäfelten Rittersaal gemütlich gemacht. Im Plauderton liest die 80-Jährige auf Schloss Waldeck aus ihrem aktuellen Krimi „Der Mittagstisch“. Das erste Opfer stirbt an einem Allergieschock, Mörderin Nelly hat ihm Erdnussbällchen untergeschoben.

„Der Mittagstisch“ ist gespickt mit rabenschwarzem Humor, genau wie Nolls Anekdoten. „Ich habe aufgehört, die Morde in meinen Büchern zu zählen“, sagt sie. Eine Quote für männliche und weibliche Opfer hat sie aufgegeben. Ihre Mörderinnen würden eben häufiger Männer töten. „Das hat sich so ergeben“, sagt sie lapidar und erntet am Mittwochabend viele Lacher in dem voll besetzten Saal.

Was Frauen für Mord-Möglichkeiten hätten, schwärmt die Autorin, die zum Literarischen Frühling nach Waldeck gekommen ist. Allein in der Küche, wo sich die Hausfrau aufhält, „lässt sich so einiges anstellen“, sagt Noll und grinst wieder.

Jeder kann ein Verbrecher werden, ist Noll überzeugt: „Ich misstraue jeder Idylle.“ Auch der kleinbürgerlichen, wie sie in „Der Mittagstisch“ zeigt: Nelly lädt in kleiner Runde zum Mittagessen ein. Aus dem heimlichen Restaurant wird aber schnell eine Mordküche, denn Köchin Nelly kennt alle Lebensmittel-Allergien der Gäste - eine tödliche Zutatenliste.

In ihrem Kopf entsteht erst die Figur, dann die Handlung, verrät Noll. Deswegen sei es schon passiert, dass jemand sterben musste, weil er zufällig den Weg der Hauptfigur kreuzte. „Das hatte ich so nicht geplant“, erklärt Noll und sorgt so noch einmal für viele Lacher.

Zur Person

Ingrid Noll wurde 1935 in Schanghai geboren. Ihr Vater zog als Arzt nach dem Ersten Weltkrieg mit seiner Frau nach China. 1949 floh die Familie vor den Kommunisten zurück nach Deutschland und nannte bei der Einreise über Italien die Adresse eines Onkels in Korbach. Später zog Noll zum Studium nach Bonn. 1959 heiratete sie den Arzt Peter Gullatz, mit dem sie drei Kinder hat. Ihre Karriere als Schriftstellerin begann 1991, sie gilt als eine der erfolgreichsten deutschen Krimiautorinnen und lebt mit ihrem Mann in Weinheim (Baden-Württemberg).

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