Der Morgen in der Musik

+
Cat Stevens, heute: Yusuf Islam, sang 1971 das Lied "Morning has broken".

Der Morgen ist Thema in zahllosen Liedern und Musikstücken - von Paul Gerhardts „Die güld’ne Sonne“ über Griegs „Morgenstimmung“ aus „Peer Gynt“ bis zu Gerhard Wendlands „Ich tanze mit Dir in den Morgen“.

Ob Klassik oder Schlager - wir haben eine Auswahl von Morgen-Hits getroffen.

Morning has broken: Ausgerechnet das wahrscheinlich bekannteste Liedvon Cat Stevens stammt gar nicht von dem britischen Sänger, der sich mittlerweile nur noch Yusuf nennt. Die Melodie ist ein altes schottisches Volkslied, den Text hat die britische Kinderbuchautorin Eleanor Farjeon bereits 1930 geschrieben.

Für seine 1971 auf dem Album „Teaser And The Firecat“ erschienene Version sang Stevens lediglich die ersten drei Strophen. Es ist eine Hymne auf die Schöpfung und den Tag im Allgemeinen sowie den Morgen im Besonderen, die die unterschiedlichsten Zielgruppen anspricht: Im Evangelischen Gesangbuch ist das Lied als „Morgenlicht leuchtet“ unter der Nummer 455 zu finden, bei der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft wurde das Stück bis vor einigen Jahren an jedem Renntag vom Streckensprecher mit der Mundharmonika gespielt, ehe das Motorengeheul einsetzte. Vielen Dank auch dafür. (mal)

So geht’s los: Morning has broken, like the first morning Blackbird has spoken, like the first bird Praise for the singing, praise for the morning Praise for the springing fresh from the word Und die deutsche Übersetzung: Der Morgen bricht an, wie am Anfang der Schöpfung, Die Amsel hebt an, wie zum ersten Gesang. Preiset ihr Singen, preiset den Morgen, Preiset, wie sie geboren, neu in die Welt.

Guten Morgen, guten Morgen: Nana Mouskourislegendärer Schlager von 1977 verbreitet auch heute noch Gute-LauneStimmung mit seiner Gitarren-Begleitung zur hellen Singstimme.

Spätestens mit Andreas Dresens Film „Sommer vorm Balkon“ aus dem Jahr 2005 erreichte der Song im tanzbaren Sambarhythmus auch die jüngere Fangeneration, die dort zu Nadja Uhls Frühstücksradio-Klängen mitwippte. (fra)

Und so geht’s los: Guten Morgen, Guten Morgen / Guten Morgen, Sonnenschein / Diese Nacht blieb dir verborgen / Doch du darfst nicht traurig sein Guten Morgen, Sonnenschein / Nein du darfst nicht traurig sein / Guten Morgen, Sonnenschein / Weck mich auf und komm herein.

All Morgen ist ganz frisch ... All Morgen ist ganz frisch und neu des Herren Gnad und große Treu; sie hat kein End den langen Tag, drauf jeder sich verlassen mag. O Gott, du schöner Morgenstern, gib uns, was wir von dir begehrn: Zünd deine Lichter in uns an, lass uns an Gnad kein Mangel han.

Treib aus, o Licht, all Finsternis, behüt uns, Herr, vor Ärgernis, vor Blindheit und vor aller Schand und reich uns Tag und Nacht dein Hand, zu wandeln als am lichten Tag, damit, was immer sich zutrag, wir stehn im Glauben bis ans End und bleiben von dir ungetrennt.

Johannes Zwicks Lied aus dem 16. Jahrhundert gehört zu den wichtigsten Morgenchorälen im Gesangbuch. Es verströmt die Zuversicht, im Vertrauen auf Gottes Gegenwart mit Sonnenaufgang neu anfangen zu können.

Der Morgen eröffnet die Möglichkeit, „Ärgernis“ und „Blindheit“ beiseitezuschieben und Gottes Schutz neu zu spüren. Morgenmuffel werden sich an der Bitte erfreuen, Gott möge seine Lichter in uns anzünden. Damit es auch innerlich hell werde. (fra)

Danke-Lied: Danke für diesen guten Morgen/ danke für jeden neuen Tag. Danke dass ich all meine Sorgen / auf dich werfen mag. Das Danke-Lied von Martin Gotthard Schneider - früherer Landeskantor für Südbaden und Musikhochschul-Professor - ist das beste Beispiel für alles, was man an neuen geistlichen Liedern schätzen und hassen kann: Eingängigkeit und Schlichtheit von Texten und Melodien.

Die kommen bei Konfirmanden an und bereicherten manchen Kirchentag, die Welle wirklich populärer neuer Lieder verebbt jedoch. „Danke“, gern Strophe für Strophe einen Halbton höher gesungen, gibt es gleichwohl inzwischen in 25 Sprachen - und in einer Version der Ärzte. (vbs)

Im Frühtau zu Berge: Im Frühtau zu Berge wir geh’n, fallera, es grünen die Wälder, die Höhn, fallera. Wir wandern ohne Sorgen singend in den Morgen noch ehe im Tale die Hähne kräh’n. (...) Werft ab alle Sorgen und Qual, fallera, und wandert mit uns durch das Tal, fallera, Wir sind hinausgegangen, den Sonnenschein zu fangen: Kommt mit und versucht es auch selbst einmal!

Im Internet findet man nicht nur merkwürdige Schreibweisen für „fallera“, sondern zahlreiche Parodien - ein Beleg für die Beliebtheit dieses schwedischen Volkslieds aus der Zeit um die Jahrhundertwende, das nach dem Ersten Weltkrieg auch in Deutschland bekannt wurde.

Uwe Seeler pfeift es in seiner Werbung fürs Rasierwasser „Hattric“, Christoph Schlingensief lässt es bei seiner schrägen Aktion „Church of Fear“ singen, ein Schäuble-Double dirigiert ein Polizei-Sonderkommando: „Im Frühtau zu Berge wir stürmen dein Haus, fallera ...“

Am schönsten wandelte Otto Waalkes das Lied ab - er präsentierte es im Louis-Armstrong-Stil, als Bluegrass-Shuffle-Country-Rock, asiatisch („Im Flühtau... fallela ... honda honda kawasaki“) und als Udo Lindenberg: „Alter, im Frühtau zu Berge, da zieh’n wir tierisch einen los ...“ (vbs)

Good Morning... Going to work don’t want to go feeling low down ... Der Hahn kräht munter, der „Good Morning“-Background-Chor klingt fröhlich, Saxofone, Posaunen, Horn peppen den Song auf, der in einer Tierstimmen-Kakophonie endet - doch „Good Morning, Good Morning“, elfter Titel auf dem genialen Beatles-Album „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“, ist eher sarkastisch-deprimiert.

John Lennon schildert das immergleiche, trostlos-öde Vorstadtleben: Everybody knows there’s nothing doing /Everything is closed like a ruin/ Everyone you see is half asleep/ And you’re on your own you’re in the street (...) I’ve got nothing to say but ist’s OK“ Der da allein unterwegs ist, sucht seine alte Schule auf und stellt fest, dass sich nichts geändert hat.

Nachmittags warten die Ehefrau, der 5-Uhr-Tee und der Fernseher. Immerhin, es wird mal gelächelt: „After a while you start to smile...“ (vbs)

Winterreise: Der stürmische Morgen Wie hat der Sturm zerrissen Des Himmels graues Kleid! Die Wolkenfetzen flattern Umher in mattem Streit.

Und rote Feuerflammen Ziehn zwischen ihnen hin: Das nenn ich einen Morgen So recht nach meinem Sinn! Mein Herz sieht an dem Himmel Gemalt sein eignes Bild - Es ist nichts als der Winter, Der Winter kalt und wild!

Der Lyriker Wilhelm Müller (1794-1827) schrieb die Gedichte, die Franz Schubert in seinem Liederzyklus „Winterreise“ vertont hat. In den Naturschilderungen spiegelt sich die verzweifelte seelische Verfassung des jungen Burschen, der von seiner Braut verlassen wurde und durch die Winterlandschaft irrt. (w.f.)

Guten Morgen, liebe Sorgen: Guten Morgen, liebe Sorgen, seid ihr auch schon alle da? Habt ihr auch so gut geschlafen? Na, dann ist ja alles klar. Wir schwingen unser linkes Bein behende aus dem Bett; der Bettvorleger gibt uns Schwung bis direkt vors Klosett.

Na, wo wir schon mal da sind, da bleiben wir auch hier - Wooaah! Fertig: wo ist das Papier? Guten Morgen, liebe Sorgen, seid ihr auch schon alle da? Habt ihr auch so gut geschlafen? Na, dann ist ja alles klar. Mit diesem Lied (das noch mehr Strophen hat) schaffte es der Entertainer Jürgen von der Lippe 1987 bei der ZDF-Hitparade zwei Monate auf Platz eins. (w.f.)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.