Zu Gast im Rektorat der Kunsthochschule: Ulla Wallbach stellt druckgrafische Arbeiten aus

Motive aus alten Familienalben

Prototypen aus dem Familienalbum: Ulla Wallbach setzt sich künstlerisch mit der eigenen Biografie auseinander. Foto: De Filippo

Kassel. Ein Familienalbum ist von unschätzbarem Wert - eine Sammlung kollektiver Erinnerungen, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. Für Ulla Wallbach sind die darin enthaltenen Fotografien zudem Quelle der Inspiration. „Das eigene Leben und das anderer Menschen ist das, was mich bei meiner künstlerischen Arbeit antreibt“, sagt sie.

Seit 25 Jahren leitet Ulla Wallbach die Werkstätten für Originalgrafik an der Kunsthochschule Kassel. Im Rektorat zeigt sie derzeit eine Auswahl ihrer Werke, die überraschend vielseitig sind. „Druckgrafik führt oft ein Randdasein in der Kunst.“ Dabei seien druckgrafische Verfahren ebenso aktuell wie spannend.

In der Ausstellung stellt Wallbach daher bewusst mehrere Techniken vor – vom eher groben Holzschnitt, dessen Druckstock als eigenständiges Werk im Vorzimmer hängt, über Radierungen bis zu Lithografien. Letztere beeindrucken durch ihre zeichnerischen Details. Die Motive für die Serie „Im Laufe des Lebens“ fand die Künstlerin auf alten Familienfotos: Die Großmutter sitzt am Tisch, in einem typischen 50er-Jahre-Sessel.

Eine andere Arbeit zeigt dieselbe Frau mit einer Kittelschürze. Ein Kleidungsstück, das verschwunden ist, mit dem aber viele Menschen Kindheitserinnerungen verbinden. „Solche Dinge haben eine große emotionale Bedeutung für uns, deshalb finde ich sie interessant“, sagt Wallbach. Auch nach 25 Jahren experimentiert die Künstlerin gern mit ihrem vertrauten Medium. Zum Beispiel dann, wenn sie Motive aus Probedrucken ausschneidet und zu Collagen zusammenfügt. Einen aktuellen Bezug haben die Radierungen, die eine demonstrierende Menschenmenge oder ein überfülltes Flüchtlingsboot zeigen. Der Einzelne verschwindet in der Masse: ein beängstigendes Bild unserer Zeit. Ulla Wallbach studierte in den 80ern an der Kunsthochschule Kassel und arbeitete dort in der Lithografie- und Tiefdruckwerkstatt. Danach folgte ein Studienaufenthalt an der École des Beaux-Arts de Paris. Seit Oktober 1990 leitet Wallbach die Studienwerkstätten für Lithografie und Tiefdruck.

Bis 18. Dezember im Rektorat der Kunsthochschule, Menzelstraße 13-15, Besichtigung nach Anmeldung unter 0561/8045368 oder rektorat@kunsthochschule-kassel.de

Von Pamela De Filippo

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