Das Jovem Orquestra Portuguesa beeindruckte beim Abschlusskonzert des Kultursommers Nordhessen

Mozart und ein Frühlingsopfer

Boten eine Riesenleistung: Das Jovem Orquestra Portuguesa mit Leiter Pedro Carneiro. Solisten: Pedro Lopez (Violine, links hinter dem Dirigenten), Ricardo Gaspar (Viola, rechts hinter dem Dirigenten). Foto:  Malmus

KASSEL. Rhythmisches Klatschen nach den aufpeitschenden Rhythmen von Igor Strawinskys „Le Sacre du Printemps“: Das Jovem Orquestra Portuguesa ließ es beim Abschlusskonzert des Kultursommers Nordhessen krachen und beeindruckte damit 800 Zuhörer in der Kasseler Stadthalle.

Ganz klassisch eröffnet das portugiesische Jugendorchester seinen Auftritt, denn es spielt Mozarts Sinfonia concertante Es-Dur KV 364. Unter der Leitung von Pedro Carneiro bringt es einen belebten Klang hervor, gestaltet packende Crescendi.

Als Solisten liefern die jungen Streicher Pedro Lopez (Violine) und Ricardo Gaspar (Viola) überzeugende Talentproben. Sie beweisen auch Gespür für die schmerzlichen Akzente, gerade im langsamen Satz, wo Mozart gleichsam einen traurigen Fado-Blues hat. Nach dem heiteren Finale geht man mit Jubel in die Pause.

Dann der geniale Brocken, das einstige Skandalstück. Strawinskys „Frühlingsopfer“ verursachte bei der Pariser Uraufführung im Mai 1913 heftigste Tumulte. Aus den Logen der reichsten Besucher, so wird berichtet, erschallte damals ärgerliches Geheul.

Davon ist man in der Stadthalle meilenweit entfernt, obwohl das Jugendorchester dem Werk nichts von seiner Wucht nimmt. Dirigent Pedro Carneiro, bekannt auch als Schlagzeuger, führt mit klaren Gesten durch die rhythmischen Vertracktheiten. Das junge Orchester bietet eine Riesenleistung vom Fagott-Solo bis zur Schlagzeug-Gruppe. Nach tosendem Applaus erklingt zum Abkühlen ein getragener Bach-Choral - als Summchor, ohne Instrumente. Ein berührender Ausklang des Kultursommers.

Der Abend hatte mit einer Begrüßung durch Ilka Jastrzembowski begonnen. Die Vorsitzende des Kultursommers sagte den Sponsoren Dank und spendierte dem Kultursommer-Team um Intendantin Maren Matthes eine Riesentorte. Dabei erfuhr man auch von einigen Höhepunkten der kommenden Saison.

2016 soll es Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“ mit Christine Neubauer als Buhlschaft beim Kultursommer geben.

Von Georg Pepl

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