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Das Streichquartett des Kammerorchesters Louis Spohr glänzte im Ballhaus

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Exquisite Musik: Katalin Hercegh (Geige, von links), Giulia Sardi (Geige), Sussy Riminucci (Bratsche) und Nico Treutler (Cello) beim Auftritt im Ballhaus.
Exquisite Musik: Katalin Hercegh (Geige, von links), Giulia Sardi (Geige), Sussy Riminucci (Bratsche) und Nico Treutler (Cello) beim Auftritt im Ballhaus. © pia malmus

Das Kammerorchester Louis Spohr brillierte bei einem Konzert im Ballhaus Kassel mit Werken von Mozart und Ravel.

Kassel – Sein Name steht für das Schöne in der Musik: Anmut, Grazie und Wohlklang, all das findet sich bei Wolfgang Amadeus Mozart, aber es ist eben nur eine Seite. Unergründlich wie er war, hat er auch die „Missklänge“ geliebt. Gerade die Dissonanzen fesselten am Sonntag bei der Reihe „Kultur unterm Kronleuchter“ im Ballhaus am Schloss Wilhelmshöhe.

Ein furioses Ensemble aus Kassel bringt Spannung ins prachtvolle Ambiente: das Streichquartett des Kammerorchesters Louis Spohr. Es spielt eingangs das Quartett C-Dur KV 465, das „Dissonanzenquartett“, dessen Beiname von der langsamen Einleitung herrührt. Mozart hat damit etliche Zeitgenossen vor den Kopf gestoßen. Um 1785 hielt man die schneidenden Reibungen für Druckfehler. Mozarts Kollege Giuseppe Sarti meinte sogar: Der Schöpfer dieser Musik könne nur ein „Klavierspieler mit einem verdorbenen Gehör“ sein.

Heute – nach Wagners „Tristan“ und nach Schönbergs Zwölftonmusik – schocken die Dissonanzen nicht mehr. Aber es ist noch immer zu spüren: Hier ereignet sich etwas Ungeheuerliches im klassischen Stil. Das Ensemble gibt den Takten einen schmerzlichen Klang und lässt auch im Folgenden aufhorchen. Es ist ein temporeiches, flottes Spiel mit geschärften Akzenten. Energisch widerlegt das Quartett, dass Mozarts Musik so süß wie die nach ihm benannte Kugel sei.

Nicht weniger intensiv geht das Konzert weiter. Katalin Hercegh und Giulia Sardi an den Violinen, Susy Riminucci an der Viola und Nico Treutler am Violoncello glänzen mit dem Streichquartett F-Dur von Maurice Ravel. Gerade mal 28 Jahre alt war Ravel, als er das Werk 1903 vollendete.

Das Ensemble schöpft voll aus, was diese exquisite Musik beinhaltet. Da gibt es kostbare Melodien, raffinierte Klänge, rhythmischen Biss, aber auch eine geheimnisvolle Ruhe. Ein „Hit“ ist der zweite Satz „Assez vif - Très rythmé“ (Ziemlich lebhaft – Sehr rhythmisch) mit seinen gezupften Passagen. Mozart ist mehr als nur schön, Ravel rockt: Das wäre ein Fazit für dieses Konzert, das begeisterten Applaus von 140 Gästen bekam.

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