Das Vogler Quartett gab ein umjubeltes Meisterkonzert bei den Nordhessischen Kindermusiktagen

Mozart ist total unberechenbar

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Haben die Gabe zur Konzentration: Das Vogler-Quartett mit (von links) Tim Vogler, Frank Reinecke, Stefan Fehlandt und Stephan Forck.

Kassel. „Auf der einen Seite ist Mozart ein Formkünstler, der sich niemals gehen lässt. Auf der anderen Seite gibt es bei ihm jene geniale Zerstreutheit, die wir beim Schöpfergott vermuten.“ Geistreich beschreibt der Mozart-Biograf Martin Geck die rätselhafte Eigenart des Musikgenies.

Was so schwer zu analysieren sei, sei gerade das Bestechende: das schön geordnete Chaos.

Ein Beispiel gab es beim Meisterkonzert des Vogler Quartetts bei den 8. Nordhessischen Kindermusiktagen, die unter dem Motto „Musik und Mathematik“ standen. Im sehr gut besuchten Konzertsaal des Instituts für Musik spielte das Top-Ensemble Mozarts Streichquartett G-Dur KV 387, das erste der sechs Joseph Haydn gewidmeten Quartette.

Anregungen von Haydns motivischer Arbeit und Bachs Fugentechnik verschmelzen darin zum Mozart-Stil. So bleibt auch Raum für das Unberechenbare, etwa wenn der Durchführungsteil des ersten Satzes in einer Art Opernszene an spontaner Fahrt gewinnt. Das Vogler Quartett musizierte mit der von ihm bekannten Gabe zur Konzentration. Weniger getroffen schienen das Harlekineske und Charmante.

Ganz anders eingangs das 2. Streichquartett von Béla Bartók. Fesselnd übermittelte man die herbe Expressivität der Musik und ihre Geschlossenheit, die geistig eher an Beethoven als an Mozart anknüpft. Eindrucksvoll auch der zweite Konzertteil mit dem großen Streichquartett G-Dur op. 106 von Antonín Dvorák. Es enthält ein ungewöhnlich pathetisches, zwischen Moll und Dur schwankendes Adagio - die Musiker spielten es voller Intensität.

Nach jedem der drei Werke bekamen die Geiger Tim Vogler und Frank Reinecke, der Bratschist Stefan Fehlandt und der Cellist Stephan Forck begeisterten Beifall von den 200 Zuhörern. Nach einem langen Tag und Konzertprogramm präsentierte das Ensemble eine hervorragend gewählte Zugabe, die eine Brücke zum Mathematik-Motto wie zu einer Inspiration Mozarts schlug: Mit schlankem Klang gab es den Contrapunctus 1 aus Bachs „Kunst der Fuge“.

Von Georg Pepl

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