Mozarts Hit von eigener Hand im Kasseler Bärenreiter-Verlag

Kassel. Wolfgang Amadeus Mozarts Streicherstück „Eine kleine Nachtmusik“ gehört zu den bekanntesten Werken der klassischen Musik. Fast jeder kann das berühmte Hauptthema singen, das mit einem zweifachen Quartsprung beginnt.

Unbekannt war aber bis vor kurzem, wo genau sich Mozarts Originalhandschrift, das Autograf des Klassik-Hits befindet. Barbara Scheuch-Vötterle, der Chefin des Kasseler Bärenreiter-Verlages ließ dies keine Ruhe. Nicht nur, weil bei Bärenreiter die Neue Mozart-Ausgabe erschienen ist und das Autograf wissenschaftlichen Zwecken dienen konnte, sondern auch, weil die Handschrift einst im Besitz der Familie Vötterle gewesen war. „Das Autograf ist Teil unserer Familien- und Verlagsgeschichte“, sagt Barbara Scheuch-Vötterle, „und ich hatte schon sehr lange den Wunsch, diese Mozart-Handschrift einmal als Faksimile herausgeben zu können.“

Dieser Wunsch der Verlegerin hat sich jetzt erfüllt - in einer prachtvoll in rote Seide eingeschlagenen Kassette liegen die sieben perfekt gedruckten Blätter mit insgesamt 13 handschriftlichen Partiturseiten vor, ergänzt durch einen ausführlichen Kommentar des Herausgebers Wolfgang Rehm.

Wie es dazu kam, ist allerdings ein kleiner Krimi. Barbara Scheuch-Vötterles Vater Karl Vötterle (1903-1975) hatte das Autograf der „Kleinen Nachtmusik“ von einem sächsischen Sammler erworben. Um nach dem Zweiten Weltkrieg das zerstörte Gebäude des Bärenreiter-Verlags wieder aufzubauen, verkaufte Vötterle die Handschrift 1950 für damals stolze 50 000 D-Mark an einen Schweizer Sammler. „Damit war die finanzielle Grundlage für den Neubeginn des Verlages gelegt“, sagt Scheuch-Vötterle.

In späteren Jahren hat es dann mehrere Versuche gegeben, mit dem Käufer Kontakt aufzunehmen. Insbesondere die Internationale Stiftung Mozarteum in Salzburg wollte das Autograf zu wissenschaftlichen Zwecken einsehen. Doch der Sammler ließ sämtliche Anfragen, auch aus dem Hause Bärenreiter, unbeantwortet.

Barbara Scheuch-Vötterle entschloss sich dann, einen persönlichen Brief an die Besitzer zu schreiben, in dem sie darauf hinwies, wie sehr ihr diese Handschrift besonders aus familiären Gründen am Herzen liegt.

„Und plötzlich bekam ich eine freundliche Antwort von den Erben des Käufers - er selbst lebt nicht mehr - mit einer Einladung, das Autograf professionell fotografieren zu lassen“, erinnert sich Scheuch-Vötterle.

Mit einem Repro-Fotografenteam reiste man nach Basel, wo die Handschrift in einem Banktresor lagert. Dass die daraus resultierende Faksimilie-Ausgabe für die Verlegerin weit mehr bedeutet als ein übliches Verlagsprojekt, versteht sich von selbst: „Ein Traum ist in Erfüllung gegangen.“

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