Leipziger Streichquartett präsentierte Beethoven beim Kultursommer Nordhessen

Mühelos expressives Spiel

Typische Leichtigkeit: Tilman Büning (von links), Stefan Arzberger, Ivo Bauer und Matthias Moosdorf. Foto:  nh

ZIERENBERG. Zuerst wird der Hörer erschüttert, dann verblüfft: In seinem Streichquartett f-moll op. 95, dem „Quartetto serioso“, zieht Beethoven alle Register des Ernstes und der Trübsal, bis am Schluss in gewollter Beziehungslosigkeit zum Vorangegangenen ein beschwingter Buffo-Ton à la Rossini ausbricht. Als gespenstisch und als verzweifelten Willensakt hat die Beethoven-Deutung diesen Kehraus bezeichnet, der heute noch zu irritieren vermag.

Eindringliche Erlebnisse

Zur bewundernden Fassungslosigkeit steigert sich Faszination der Beethoven-Quartette, wenn ein Konzert den schier unglaublichen Schaffensweg des Komponisten nachzeichnet. Wenn dann noch eines der besten Streichquartette der Gegenwart musiziert, sind eindringliche Hörerlebnisse garantiert.

Die bot das Leipziger Streichquartett am Sonntag beim Kultursommer Nordhessen in der fast ausverkauften Zierenberger Stadtkirche mit den Quartetten op. 18/3, op. 95 und op. 132. Von hochklassischen Anfängen bis zum kühnen, visionären Spätwerk führte der Weg. Nicht umsonst behauptet man, dass die Neue Musik im Grunde genommen schon beim späten Beethoven begonnen habe.

Expressiv, doch ohne Mühe, geschlossen im Klang, oft berückend filigran ist der Stil von Stefan Arzberger, Tilman Büning (Violinen), Ivo Bauer (Viola) und Matthias Moosdorf (Violoncello). Klar, dass der zwiespältig heitere Ausklang des f-moll-Quartetts so rasant wie unangestrengt daherkam.

Ein besonderes Erlebnis war gewiss der langsame Satz des Quartetts a-moll op. 132, der „Heilige Dankgesang eines Genesenden an die Gottheit“, mit leuchtenden archaischen Harmonien und dem feinen Schwung der neuen Kraft.

Einen sehr langen, sich in der Intensität steigernden Beifall spendete das Publikum den Topmusikern. Sie verabschiedeten sich mit dem Menuett aus op. 18/5 - und typisch Leipziger Leichtigkeit.

Von Georg Pepl

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