Friederike Szamborzki zum Münchner „Tatort“

Tatort-Kritik: Zu viel gewollt

HNA-Volontärin Friederike Szamborzki schreibt über den neuen Münchener „Tatort“: Er hat beim schwerigen Thema Juden zu viel gewollt. Zum 60. Tatort hätte man den beiden Komissaren einen "ganz normalen Fall" (Titel) gewünscht.

Der stärkste Moment des „Tatorts“ war eine sanfte Rüge: „Wie würden Sie reagieren, wenn ich Sie die ganze Zeit als Mensch mit katholischen Wurzeln bezeichnen würde?“, fragte die Justiziarin der jüdischen Gemeinde (Ulrike Knospe) die Münchner Kommissare Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl). Die beiden waren gerade angetreten, um sich für ihr vermeintlich rüdes Vorgehen gegen einen jüdischen Tatverdächtigen zu entschuldigen.

Die Justiziarin plädierte für Normalität im Umgang mit Juden – und der „Tatort“ zeigte eindrucksvoll, wie schwer das ist. Bis an den Rand der Karikatur wurden scheinbar typische Verhaltensmuster personifiziert (Buch: Daniel Wolf, Rochus Hahn): Der Oberstaatsanwalt war überkorrekt, die urbayerische Vermieterin zog antisemitische Klischees vom Leder, Leitmayr schwankte zwischen Unsicherheit und lässigen Sprüchen („Geht’s mit ein bisschen weniger Weihrauch, Rabbi?“). Auch sonst blieb der „Tatort“ hölzern, klischeebeladen und bemüht. Die Dialoge strotzten vor belehrenden Erläuterungen, der didaktische Ton bremste die Spannung fast komplett aus.

Gewiss, Regisseur Torsten C. Fischer hatte sich an ein schwieriges Thema gewagt. Doch die Umsetzung wurde dem eigenen Anspruch nicht gerecht. Zum 60. „Tatort“ hätte man Batic und Leitmayr das gewünscht, was der Titel ankündigte: einen „ganz normalen Fall“. (fsz)

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