Dr. Justus Lange ist neuer Leiter der Gemäldegalerie Alte Meister im Schloss Wilhelmshöhe

Die Fee müsste Vermeer bringen

Wiedersehen macht Freude: Dr. Justus Lange mit Martin Schaffners bemalter Tischplatte, zu der er bereits 2002 eine Ausstellung in der Gemäldegalerie konzipiert hat. Jetzt leitet der 41-Jährige das Museum. Foto: Koch

Kassel. Zu den Alten Meistern ist Dr. Justus Lange über Joseph Beuys gekommen. Eine Führung im Beuys-Raum der Staatsgalerie Stuttgart, die er als Schüler besuchte, ist dem 41-Jährigen „lebhaft in Erinnerung“. Nach diesem „Aha-Erlebnis“ hat er sich die Kunstgeschichte sozusagen rückwärts erschlossen. Inzwischen gehört seine Leidenschaft vor allem der altdeutschen Malerei.

Die Gemäldegalerie Alter Meister sei „prachtvoll“. Und Lange kennt die Sammlung, für die er nun verantwortlich ist, gut, sein neuer Arbeitsplatz ist ihm bestens vertraut. Und doch ist vieles anders, seit er sein Volontariat in Kassel absolvierte.

Aus den Staatlichen Museen ist die Museumslandschaft geworden, die Zusammengehörigkeit der Sammlungen soll stärker ins Bewusstsein gerückt werden. Ein Generationswechsel hat stattgefunden, die Museumspädagogik an Bedeutung gewonnen. Die, sagt Lange auch aus seiner Beuys-Erfahrung heraus, „ist das A und O“: „Wenn wir wollen, dass Museen weiter besucht werden, muss man bei den Kindern ansetzen.“ Wer sich als Schüler nur mit Videospielen beschäftige, werde später nie den Weg in ein Museum finden.

Natürlich wird Rembrandts „Jakobssegen“ bleiben, wo er hängt, „alles andere wäre Murks“, aber Lange hat viele Ideen: Er würde gern weitere Kabinette in stimmigen Farben bemalen lassen, er denkt über die Abfolge der Präsentation nach - von Dürer und Cranach vielleicht zu den Niederländern statt zur spanischen Barockmalerei, er hat ein Auge aufs Fridericianum geworfen: Dieser Ausstellungsort habe sich, etwa bei „König Lustik“, bewährt, „und das hat in der Vergangenheit auch geklappt.“

Dass Werke der Neuen Galerie ins Schloss wandern, dafür sieht er „in der jetzigen Raumsituation gar keine Möglichkeit“, hält es auch nicht für sinnvoll. Eine wichtige kunsthistorische Grenze sei um 1800 zu ziehen: „Das 19. Jahrhundert ist eher Beginn der Moderne als ein Endpunkt.“ Das, so Lange, solle auch nach der Sanierung dargestellt werden.

Berührungsängste vor der zeitgenössischen Kunst hat Lange weiterhin nicht, da könnten - wie bei der documenta 2007 und dem Gastspiel der Neuen Galerie - immer wieder neue Bezüge hergestellt werden: „Es muss ja nicht gleich Santiago Serra sein.“ Der hatte 2005 einen Raum der Kestnergesellschaft in Hannover mit Schlamm gefüllt.

Und wenn eine Fee ihm einen Ankauf ermöglichte? Der „schönen Venezianer-Sammlung“ fehle „ein Zitronencremebällchen“: „Ein Tiepolo würde sich hervorragend machen.“ Auch ein Vermeer wäre toll. „Aber selbst wenn ich so gemein wäre und sämtliche Etats der MHK dafür beanspruchen würde“ - bezahlbar wäre er doch nicht. Und, ergänzt Lange, „es gibt auch keinen Vermeer auf dem Markt.“

Auf den Wirbel, wie ihn ein großstädtisches Museum mit einem riesigen Einzugsgebiet entfachen kann, etwa das Städel mit der Botticelli-Schau, ist Lange nicht neidisch. „In Kassel hätten wir nicht die Hälfte der Besucher“, sagt er, „das ist einfach so.“ Dafür, sagt Lange, „haben wir einen wunderschönen Bergpark, davon können die Frankfurter nur träumen.“

Von Mark-Christian von Busse

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