Multikulti in der Sozialwohnung: „Achtung Deutsch!“ feiert Premiere

Eine Musterfamilie? Misstrauisch beäugt von Nachbar Schröder (Dirk Schmidt, links), posieren die WG-Mitglieder, gespielt von Georg Melich, Christian R. Meyer, Peter Fischbach, Lisa Julie Rauen und Michael Bernhard, für den Herrn vom Amt (Jürgen Hoppe). Foto: Fischer

Kassel. Die deutsche Familie ist Hätschelkind der Politik und Stammgast in Sonntagsreden. Aber Mutter, Vater und zwei Kinder, das kann auch ganz anders sein, wie das 2011 uraufgeführte Stück „Achtung Deutsch!“ von Stefan Vögel vorführt, das am Donnerstagabend vor einem begeisterten Publikum in der Komödie Kassel Premiere hatte.

Regie führte Karsten Engelhardt, die Bühne entwarf Knut Schakinnis, die Kostüme Maria Siebert.

Turbulent, ja rasant ging es auf der kleinen Bühne zu. Alle Ingredienzen einer Boulevard-Komödie waren üppig vorhanden. Auf so eine Story muss man erst einmal kommen: Ein studentische WG mit Bewohnern aus fünf Ländern hat eine Sozialwohnung gemietet, wird vom Amt aber als Familie geführt. Als WG-Oberhaupt Henrik Schlüter (Christian R. Meyer) in den Skiurlaub fährt und die „Geschäfte“ dem syrischen Germanistikstudenten Tarik (Michael Bernahrd) übergibt, bricht Chaos aus. Nicht, weil der integrierte Araber die Kontrolle verliert, sondern weil Herr Reize (Jürgen Hoppe) vom Amt kommt, um die Verhältnisse in Augenschein zu nehmen.

Die vier Studenten spielen nun eine typisch deutsche Familie: Tarik den prolohaften Vater, die liebestolle Französin Virginie (Lisa Julie Rauen) die häusliche Ehefrau, der Italiener Enzo (Peter Fischbach) den spielsüchtigen Sohn und der Wiener Rudi (Georg Melich) den autistischen Jüngeren. Alles scheint zu klappen, der Beamte ist gerührt, lädt sich sogar selbst zum Mittagessen ein.

Nur Nachbar Schröder (Dirk Schmidt) gefährdet das Arrangement. Sein arg deutsches Pochen auf die Hausordnung und das Zusammentreffen mit dem Mann aus dem Amt lassen die Katastrophe unvermeidlich erscheinen. Doch das Stück geht in den Turbogang und alles kommt ganz anders.

Die zweieinhalb Stunden in der fast ausverkauften Komödie vergingen wie im Flug. Den Ehrenpreis innerhalb der insgesamt sehr guten schauspielerischen Leistung gebührt Michael Bernhard, der zwei Tage vor der Premiere für den erkrankten Teymur Mokhtari eingesprungen war. Dass er einige Texte ablas, war geschickt getarnt. 48 weitere Vorstellungen bis Mitte Mai sind geplant

Kartentelefon: 0561 / 18383, www.komoedie-kassel.de

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