Multikulti im Tod: Neuer Ausstellungsbereich im Sepulkralmuseum

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Farbenprächtig: Totengedenken beim einzigartigen mexikanischen Totenfest „El Día de los Muertes“.

Kassel. Das Museum für Sepulkralkultur hat seine Dauerausstellung erweitert. Am Abend wurde ein Ausstellungsbereich eröffnet, der sich mit dem Umgang mit Tod und Trauer in unterschiedlichen Religionen und Kulturen beschäftigt – und auch die Konfessionslosen berücksichtigt, die in Deutschland mittlerweile ein Drittel der Bevölkerung ausmachen.

Wie sterben, bestatten, trauern Juden, Muslime, Buddhisten, Hindus? Immer wieder hatten Besucher des Museums am Weinberg diesen Blick über den Tellerrand gewünscht. Deshalb informiert es für zwei Jahre mit Stelltafeln und Exponaten über einige Religionen, Ethnien und Kulturen, deren Angehörige in bedeutsamer Zahl in Deutschland leben – von Chinesen über Sinti und Roma bis zu Mexikanern und Baha’i. Dargestellt werden Grundzüge des Glaubens, Riten der Bestattung und Traditionen der Trauer.

Konzipiert hat die Schau Museumsleiter Prof. Dr. Reiner Sörries. Ihm geht es auch darum, Menschen mit Migrationshintergrund – 16 Millionen in Deutschland – den Zugang zum Museum zu erleichtern, Verständnis zu fördern, einen Beitrag zur Toleranz zu leisten. Klar wird: Die jeweilige Friedhofs- und Bestattungskultur ist wesentlicher Bestandteil der Identität. Gefragt wird deshalb immer auch, inwiefern ihr hierzulande Rechnung getragen wird. Oft kollidieren Gesetze und Friedhofsordnungen mit Wünschen von Minderheiten – sei es bei der Unverletzlichkeit des Grabes oder der sarglosen Bestattung.

Erstaunliche Entdeckungen sind zu machen. Wer kennt schon die Yeziden, Kurden mit einer uralten monotheistischen Religion, weiß, dass es buddhistische Friedhöfe in Hannover und Berlin gibt oder ein Gräberfeld der Zoroastrier, einer Minderheit im Iran und in Indien, in Hamburg? Oder dass heidnische Riten auf dem Vormarsch sind?

Ein Kabinett ist Wechselausstellungen vorbehalten. Den Anfang macht Peter Christmann, Kasseler Fotograf und Veranstalter von Abenteuerreisen, mit großformatigen Aufnahmen von hinduistischen Bestattungsritualen. 20 Jahre hat er im nepalesischen Heiligtum Pashupatinath fotografiert, die Verbrennung der Toten festgehalten. Der Glaube an die Wiedergeburt verlangt die Vernichtung der körperlichen Hülle, um die Seele für das nächste Leben zu befreien. Die Asche wird in Flüsse gestreut – Wasser ist Symbol für Wechsel und Wiederkehr.

Weinbergstr. 25-27, Di - So 10-17, Mi 10-20 Uhr. Führungen Mi 18 Uhr, www.sepulkralmuseum.de

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