Große Filme im kommenden Jahr

Rückblick aufs Kinojahr 2014: Multikulti-Unbehagen liegt vorn

Beliebte und innovative Filme des Jahres in unserer Collage: „Drachenzähmen leicht gemacht 2“ (oben von links im Uhrzeigersinn), Sandra Bullock in „Gravity“, Martin Freeman in „Der Hobbit 3“ mit dem gefährlichen Ring, Ellar Coltrane als Mason in „Boyhood“, Jennifer Lawrence als Katniss in „Die Tribute von Panem: Mockingjay“ und in der Mitte der Publikumsrenner in Deutschland, die Komödie „Monsieur Claude und seine Töchter“. Montage: Hermes

Kinojahr 2014: Erfolgsfilm war „Monsieur Claude und seine Töchter" - Fußball-WM sorgt für Kinoflaute

Einem Normalbürger wird mulmig zumute, als seine Töchter Männer anderer ethnischer und religiöser Herkunft und Hautfarbe heiraten. Dass die französische Komödie „Monsieur Claude und seine Töchter“ der erfolgreichste Kinofilm in Deutschland 2014 war, passt zur aktuellen Integrationsdebatte. Im Film lernt Monsieur Claude (Christian Clavier) komödiengerecht die Toleranz -leicht zähneknirschend.

Das deutsche Kinojahr 2014 verzeichnet nicht den großen Zuschauerhit wie zuletzt „Fack ju Göhte“. Immerhin 3,63 Millionen Besucher lockte „Monsieur Claude“. Er kann inhaltlich und qualitativ allerdings nicht mit Genrevorgängern wie „Sch’tis“ und „Ziemlich beste Freunde“ mithalten.

Die Filmhits des Jahres

In den Jahrescharts wird der Film von Philippe de Chauveron gefolgt von vier Fortsetzungen: „Die Tribute von Panem: Mockingjay Teil 1“ (3,47 Mio.), dem opulenten Fantasyepos „Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere“ (2,89 Mio.), dem Animationsfilm „Drachenzähmen leicht gemacht 2“ (2,72 Mio.) und dem neuesten „Transformers“-Film: „Ära des Untergangs“ (2,50 Mio.). Dann geht es origineller weiter: mit Martin Scorseses „The Wolf of Wall Street“ mit Stammschauspieler Leonardo DiCaprio (2,39 Mio.). Matthias Schweighöfers „Vaterfreuden“ folgt mit 2,36 Mio., dann kommen die exzentrischen Superhelden „Guardians of the Galaxy“ (1,78 Mio.), der Papageienspaß „Rio 2“ mit 1,74 Mio. Zuschauern und fiese Nachbarschafts-Nervereien mit „Bad Neighbors“ (1,70 Mio.).

Abschied vom Hobbit

2014 wird auch als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem Peter Jackson seinen letzten Teil der Tolkien-Fantasyabenteuer ins Kino brachte: Der Trilogie-Abschluss zu „Der Hobbit“ wird sicher seinen rasanten Besucherzustrom noch ausbauen. Und als das Jahr, in dem Alfonso Cuaróns Weltraumabenteuer „Gravity“ nicht nur Oscar-Abräumer war, sondern auch das 3D-Kino neu gestaltete.

Hollywoods neue Diva

2014 war auch das Jahr der Jennifer Lawrence. Ihr Gesicht und ihre Schauspielkunst prägten das US-Kino genreübergreifend - von Jugendfilm über ein Historienmelodram zu Superhelden und zur Filmkunst-Komödie. Dass sie im Holzarbeiterdrama „Serena“ mit Platinlocken inszeniert wird, ist eine Verbeugung vor den großen Darstellerinnen aus den Goldenen Jahren Hollywoods. Sie ist das Gesicht der Erfolgsreihe „Die Tribute von Panem“, wo sie die Rebellin Katniss spielt. Sie ist die Ganoven-Ehefrau Rosalyn in „American Hustle“, der sie eine eisenharte Aufstiegsorientierung mitgibt. Nicht zuletzt ist sie die vielgestaltige Mystique, eine royalblaue Superheldin in „X-Men“.

Kartenverkäufe

Ob Deutschlands Kinobranche wieder wie 2012 und 2013 die Umsatzmilliarde knackt, steht noch längst nicht fest. Die besucherstarken Filme, die zu den Feiertagen angelaufen sind, müssen da noch einiges rausholen. Zur Halbjahresbilanz hatte es bei 56,3 Millionen Besuchern einen Ticketverkaufs-Rückgang von über 10 Prozent und einen Umsatzrückgang auf 450,6 Millionen Euro und um 9,2 Prozent gegeben, so die Filmförderanstalt. An den Kinokassen war das Jahr bisher also schwach - Ursache war die Fußball-WM.

Ausblick

Spätestens 2015 könnte der Umschwung kommen. Mit 007, „Star Wars“, „Jurassic World“ und „50 Shades of Grey“.

Und dann war da noch ...

Größter Taschentuchbedarf: Man weint aus Trauer wie aus Wut wenn im Film „12 Years a Slave“ das Leid der Sklaven so schonungslos wie vielleicht noch nie gezeigt wird - Regisseur Steve McQueen leistet einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung.

Tollste Ausstattung: Wes Anderson schwelgt in „Grand Budapest Hotel“ in skurrilen Bilderwelten - was für eine Freude, Ralph

Fiennes als kultivierten Empfangschef durch die Belle-Epoque-Hotelwelten streifen zu sehen. Hommage ans alte Europa.

Ausgebliebener Skandal: Was haben alle auf Lars von Trier geschaut: Der Skandalregisseur setzt in „Nymphomaniac“ zwar dutzendfach primäre Geschlechtsorgane in Szene - der Skandal blieb aber aus - und die Menschen sprachen sogar über andere Aspekte des Streifens - die Philosophie zum Beispiel.

Verluste: Robin Williams. Philipp Seymour Hoffman. Danke für eure unsterblichen Filme.

Subtilste Erotik: Wie die „Geliebten Schwestern“ in Dominik Grafs Historienfilm den durchnässten Friedrich Schiller am Fluss mit ihren Körpern wärmen.

Gänsehautmoment: In „Can a Song Save your Life“ lässt sich Keira Knightley von ihrem Musikerfreund dessen neuen Song vorspielen - und haut ihm plötzlich eine runter, weil sie im Hören realisiert, dass er eine andere hat.

Großes Solo: Der wundervolle Robert Redford ganz allein in dem Seenotdrama „All is Lost“.

Spannendste Pionierarbeit: Richard Linklater verzauberte mit „Boyhood“, einer Langzeitfiktion, die er mit denselben Leuten über Jahre gedreht hat. Wir beobachten einen Jungen bis zum Erwachsenwerden - unspektakulär und sehr wahrhaftig.

Frisur des Jahres: Bradley Coopers Löckchen in „American Hustle“.

Musikfilm: „20 000 Days on Earth“. Die Nick-Cave-Doku ist zwar inszeniert, bringt uns den Song-Charismatiker aber trotzdem ganz nah.

Größter Mut: Fatih Akin mit seinem Film „The Cut“ über den Völkermord an den Armeniern. Man kann an dem Film einiges nicht so überzeugend finden, dass er ihn trotz Morddrohungen realisiert hat, ist verdienstvoll.

Hommage an das Bildarchiv: Sean Penn setzt als Starfotograf in „Walter Mitty“ dem Archivar der Fotozeitschrift, Ben Stiller, zum Ende des Magazins (das von Unternehmensberatern abgewickelt wird) ein wundervolles Bild-Denkmal.

Tollste Superzeitlupe: Der überschallschnelle Quicksilver (Evan Peters) fängt Pistolenkugeln ab im Superheldenfilm „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ und wir sehen ihn zwischen spritzenden Suppentropfen durchflitzen.

Hund des Jahres: Mit Doktortitel. Dr. Freud heißt der verzärtelte Köter von Nadja Uhl in Doris Dörries „Alles inklusive“. Das Vieh kriegt eine neue Hüfte. (fra)

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