Mundart-Kabarettist Karl Garff geht mit 79 von der Bühne

Er erklärt die Welt aus nordhessischer Sicht: Karl Garff bei seinem letzten Kabarett-Auftritt im Gemeindehaus der Christuskirche. Fotos: Fritsch

Karl Garff ist die humoristische Stimme Nordhessens. Nun hat sich der 79-Jährige für immer von der Bühne verabschiedet - und es war noch einmal richtig lustig.

Wenn ein Kabarettist aufhört, dann nicht mit Trauer, sondern mit einem Lacher. Ganz am Ende seines Kabarettprogramms „Der Kasseler Westen und der Rest der Welt“ hat Karl Garff im Saal der Christuskirche noch einmal das „ch“ aus dem Kuan (Kuchen) entfernt und in die „Dochte“ (Torte) gepackt. Besser hat bislang noch niemand den nordhessischen Dialekt mit seinem „Quetschlaut“ auf den Punkt gebracht.

Der Auftritt am Mittwoch sollte sein letzter sein, sagte der 79-Jährige - und das „Ooochhhh“ des Publikums im ausverkauften Saal kam aus vollem Herzen. Denn Karl Garff ist in den Jahren seit 1986, als ihn der damalige Staatstheater-Intendant Manfred Beilharz ins Theatercafé einlud, zur humoristischen Stimme Nordhessens geworden, der mit seinem Gemähre die hiesige Mentalität widerspiegelt wie kein Zweiter.

Dass Karl Garff seine letzte Vorstellung, begleitet vom Pianisten Thorsten Zeidler, in Wilhelmshöhe gab, ist kein Zufall. In diesem Kasseler Stadtteil wurde er geboren, hier verbrachte er seine Kindheit - unter anderem beim Herrenfriseur Trinkaus, der hier ebenso ein Revival erlebte wie die Figur des grummeligen Schneidermeisters Georg Aschenbrenner, der bei Hofe von König Lustig zur Zeit der napoleonischen Besatzung verkehrte.

Wie viele Vorstellungen Karl Garff im Lauf der Jahre gegeben hat, weiß er nicht, allerdings hat er mehr als 200 Texte für seine Programme geschrieben. Seine Vorbilder hat der frühere Lehrer für Deutsch und Französisch übrigens bei großen Literaten wie Kleist und Cervantes gefunden. „Vor allem Cervantes zeigt, wie komisch eine in sich geschlossene Ansichtwelt wirkt“, sagt Karl Garff. Solche unbeirrbar ernsthaft in ihrer Sicht der Dinge ruhenden Figuren spielt Garff einfach perfekt.

Im Abschiedsprogramm verkörperte er als Käufer des tiefgekühlt aus Kanada importierten Edel-Tannenbaums, Marke „Excelsis“, musterhaft das geschlossene Weltbild eines Pedanten. Doch Garff sprach auch letzte Dinge an - etwa das Callcenter der Hölle: „Wünschen Sie den satanischen Newsletter, dann wählen Sie die 1.“

Damit durfte sein letztes Programm natürlich nicht enden. Es folgten noch das Nordhessenlied und Zugaben. Er sei erleichtert, sagte der verheiratete Vater zweier Töchter nach dem letzten Auftritt. Erhalten bleibt er dem Publikum dennoch: mit CD-Aufnahmen und immer wieder an Silvester als TV-Butler in der nordhessischen Fassung von „Dinner for one“.

Von Werner Fritsch

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