Murnaus Stummfilm-Klassiker „Nosferatu“ mit neuer Musik

Der Schrecken in Person: Nosferatu, gespielt von Max Schreck, lässt die Zuschauer schon als Schatten gruseln. Foto: nh

Kassel. Ein Schocker im modernen Sinne ist Friedrich Wilhelm Murnaus 1922 gedrehter Vampirfilm „Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens“ nicht. Zwar gibt es echte Gruselszenen, wenn der transsilvanische Graf Orlok als Vampir Nosferatu (Max Schreck!) mit hypnotischem Blick Gewalt über seine Opfer ausübt.

Doch der in Kassel aufgewachsene Murnau thematisiert in seinem Stummfilmklassiker das Unheimliche selbst samt der Hilflosigkeit der Wissenschaft angesichts übersinnlicher Phänomene.

Das Publikum im voll besetzten Gloria-Kino war daher eher gespannt aufmerksam als gebannt bei der Vorführung des Films mit der live gespielten Filmmusik der rumänischen Komponistin Violeta Dinescu. Der Abend entsprang einer Kooperation von Christel Nies’ Reihe „Komponistinnen und ihr Werk“ und den Bali-Kinos.

Die 59-jährige Wahl-Berlinerin Dinescu greift in ihrer 2012 uraufgeführten Musik für ein Trio Klavier, Perkussion, Bläser samt Elektronik-Einschüben die Vielschichtigkeit von Murnaus Meisterwerk auf. Gern hätte man von der anwesenden Komponistin mehr zu ihrem Werk gehört.

Die vom Bukarester Trio Contraste virtuos gespielte Musik begleitet den Film auf unterschiedlichen Ebenen. Illustrative Momente mit spannungserzeugenden wilden Steigerungen in den Vampirszenen gehen einher mit leitmotivisch wiederkehrenden elektronischen Hallräumen. Sie öffnen sich immer dann, wenn Ellen Hutter (Greta Schröder) von ihren unheilvollen Traumvisionen gequält wird. Die Frau, die sich schließlich opfert, um Nosferatu den Sonnenaufgang vergessen zu lassen, und damit dem Spuk des Untoten ein Ende setzt, wird so musikalisch zu seiner Gegenspielerin.

Unter dem schrillem Aufschrei einer Schalmei zerbröselt der Vampir am Ende im Sonnenlicht zu Staub. Für die intensive, aber sich nie verselbstständigende Musik gab es reichlich Beifall. Er galt gleichermaßen der Komponistin und den Musikern, die sich mit flotten Zugaben bedankten.

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