Vor 150 Jahren wurde Lou Andreas-Salomé geboren, die spätere Freundin Nietzsches, Rilkes und Freuds

Sie war die Muse berühmter Männer

Starb in Göttingen: Die Schriftstellerin Lou Andreas-Salomé (1861-1937). Foto: dpa

Sie war Schriftstellerin und Psychoanalytikerin. Doch ihr Schaffen stand im Schatten der Freundschaften und Liebesbeziehungen zu berühmten Dichtern, Philosophen und Wissenschaftlern.

Lou (eigentlich Louise) von Salomé wurde am 12. Februar 1861 in St. Petersburg geboren als Tochter eines Generals mit hugenottischen Wurzeln. Als gleichermaßen bildschöne wie intellektuell herausragende Frau faszinierte sie ihre Zeitgenossen.

Nach einem Studium der Theologie, Philosophie und Geschichte in Zürich, das sie krankheitshalber aufgeben musste, reiste sie 1882 mit ihrer Mutter nach Rom, wo sie die Philosophen Paul Ree (1849-1901) und Friedrich Nietzsche (1844-1900) kennenlernte - beide verliebten sich in sie.

Ihre Heiratsanträge lehnte Lou aber ab. Zu einer unversöhnlichen Feindin wurde ihr Nietzsches Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche (1846-1935), durch deren Intrigen die Freundschaft Lous mit Nietzsche schließlich zerbrach.

1985 veröffentlichte Lou unter dem Pseudonym Henri Lou ihren ersten Roman „Im Kampf um Gott“. In Berlin, wo sie nun lebte, lernte sie den Orientalisten Friedrich Carl Andreas (1846-1930) kennen. Mittels eines Selbstmordversuchs bewog er die Widerstrebende zur Annahme seines Heiratsantrags, aber auch nur unter der Bedingung, dass es eine platonische Ehe sein werde. Später wurde Andreas Professor in Göttingen.

1897 lernte sie in Berlin Rainer Maria Rilke (1875-1926) kennen, der, obwohl 14 Jahre jünger als sie, ihr erster Liebhaber wurde. Sie beeinflusste ihn und sein Werk nachhaltig. Aber ihr Interesse richtete sich immer mehr auf die Psychoanalyse. 1912 reiste sie nach Wien zu Sigmund Freud (1856-1939) und eröffnete 1915 in Göttingen die erste psychotherapeutische Praxis.

Ihre letzten Jahre verbrachte sie vereinsamt in Göttingen, wo sie als „Hexe vom Hainberg“ bekannt war und am 5. Februar 1937 starb. Ihre theologischen Schriften, Dramen, Essays („Die Erotik“) sowie Porträts Nietzsches und Rilkes sind weitgehend vergessen.

Von Claudia v. Dehn

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