Premiere der Musical-Adaption

Gandersheimer Domfestspiele: Musical "Addams Family" vom Publikum gefeiert

+
Morbider Charme: Morticia Addams (Miriam Schwan) beim Tanz mit Toten.

Ein Bühnenspaß ist die Musical-Adaption der schrägen Comic-Familie.

Was für eine Familie: Der Vater ein Jurist, die Oma eine Hexe, die Mutter und der Onkel entstammen Vampirgeschlechtern, und die Tochter liebt es, ihren Bruder zu foltern – und der genießt das sogar. Fehlt nur noch der baumlange Butler. Der erinnert stark an einen Zombie.

Einen ebenso schrägen wie makaberen Gegenentwurf zur biederen amerikanischen Durchschnittsfamilie wollte der Zeichner Charles Addams (1912-1988) mit der „Addams Family“ schaffen. Das ist ihm gelungen. 1932 erschienen seine Comic-Strips im „New Yorker Magazine“, in den 1960er- Jahren machte eine Fernseh-Serie die makabere Familie und ihren schwarzen Humor einem Millionenpublikum bekannt.

Als Musical-Comedy (Regie: Achim Lenz) von Marshall Brick und Rick Elice feierte die Addams Family am Freitag bei den Gandersheimer Domfestspielen ein bejubelte Premiere vor fast ausverkauften Rängen. Und das, obwohl die Aufführung nach 45 Minuten kurz vor dem Abbruch stand. Jemand aus dem Publikum war zusammengebrochen und sein Zustand offensichtlich so bedrohlich, dass die Besucher gebeten wurden, ihre Plätze zu verlassen und vor der Spielstätte zu warten. Nach einer halben Stunde gab es Entwarnung: „Alles in Ordnung. Wir spielen weiter.“

Überraschend schnell nahm die Aufführung wieder Fahrt auf und knüpfte an die Handlungsstränge vor der Pause an: Wednesday Addams (Florentine Kühne – überzeugend),die Tochter des Hauses, hat sich verliebt und das zum Entsetzen der ganzen Familie in Lucas Beineke (Jan Rogler als Muttersöhnchen-Typ), einen jungen Mann aus stinknormalen Verhältnissen. Beide schwelgen bereits in Hochzeitsfantasien. Zwar sind alle dagegen: Morticia Addams (Miriam Schwan, souverän, cool, sexy), ihr Gatte Gomez (Lukas Baier als köstlicher Latin-Lover-Verschnitt), auch Oma Addams (Sven Olaf Denkinger, herrlich schrullig) sowie Butler Lurch (Jan Kämmerer, hinreißend), Bruder Pugsley (Stephan Luethy, stark als vernachlässigtes Kind). Auch Onkel Fester (Fehmi Göklü, wunderbar als Komiker und Sänger), den nur der Mond interessiert. Dennoch wird mit der Familie des Schwiegersohns in spe ein Abendesse vereinbart.

Ein Entschluss mit Folgen, denn Oma Addams hat einen Trank parat, der in Menschen das Schlechteste ihrer Persönlichkeit zum Vorschein bringt. Als Familie Beineke (Guido Kleineidam, Susanna Panzner und Jan Rogler als starkes Trio) anrückt, prallen zunächst zwei völlig verschiedene Welten aufeinander, sehr zum Vergnügen des Publikums, das sich letztlich auch noch über ein Happy End freuen darf.

Fazit: eine sehr unterhaltsame Inszenierung. Witzige Gags (eine ferngesteuerte Ratte, ein tanzender Tod), gute Live-Musik (Leitung: Patricia Martin), starke Gesangsstimmen. Zudem glänzten alle Darsteller mit viel komischen Talent. Riesenapplaus.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.