Musical in Kasseler Stadthalle

Tina-Turner-Show: Mit Energie und Seele

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Kommt dem Original nah: Tess Dynamite Smith als Tina Turner beim Auftritt in der Stadthalle.

Kassel. Brillante Tina-Turner-Show mit überzeugender Hauptdarstellerin in der Stadthalle.

Das Leben der amerikanischen Pop- und Soulsängerin Tina Turner ist so turbulent wie ein Forschungsflug der Enterprise durch unbekannte Galaxien. 1939 als Tochter eines Afroamerikaners und einer Indianerin in Tennessee geboren, wurde sie mit 20 Jahren Leadsängerin in der Band von Ike Turner. Sie heiratete ihn, ließ sich aber nach 16 Jahren von dem drogenabhängigen und zu Gewaltausbrüchen neigenden Choleriker scheiden und begann eine erfolgreiche Solokarriere. Mittlerweile besitzt sie die Schweizer Staatsbürgerschaft, ist zum Buddhismus konvertiert und veröffentlicht nur noch CDs mit religiösen Formelgesängen.

Baptistentochter, Gewaltopfer, Sexikone, Mantra-Schülerin und Küssnachter Schlossherrin - wenn man diese biografischen Quantensprünge in Form eines Musicals verarbeiten möchte, muss man schon mal die Ärmel hochkrempeln. Die Firma Reset Production hat dies gewagt und das Ergebnis am Sonntag in der Kasseler Stadthalle präsentiert. Fazit: Das fast dreistündige Spektakel mit vielen Höhepunkten und ein paar wenigen dramaturgischen Schwächen faszinierte die Zuschauer und sorgte für ausgelassene Stimmung.

Eine Tina Turner kann man nicht einfach mal so fünf Minuten vor dem Badezimmerspiegel üben und dann auf einer Bühne dem aufmerksamen Popmusik-Gourmet als authentisch unterjubeln. Will man glaubhaft die Stimmcharakteristik, das Schenkelkreisen, die hektischen Tanzschritte und den Bandsound reproduzieren, braucht man qualifiziertes Fachpersonal. Und das hatte man am Sonntag am Start. Allen voran Hauptakteurin Tess Dynamite Smith, die genau die Attribute verkörperte, die die Queen of Pop, Tina Turner, als Basis ihres künstlerischen Schaffens definierte: Energie und Seele.

Songs wie „Proud Mary“, „Private Dancer“ oder „Nutbush City Limits“ verlangen nach diesen Komponenten und die exzellenten Musiker, Background-Sängerinnen und Tänzerinnen sorgten für ein brillantes Fundament. Im ersten Teil des Abends versuchte man in Spielszenen die Geschichte Turners choreografisch zu dokumentieren. Dabei wirkten die Dialoge synthetisch und die Schauspieler agierten hölzern. Bei den Videosequenzen hatte man sich sowohl bei der Auswahl als auch bei der Bearbeitung wenig Mühe gegeben. Ein Sammelsurium an szenischen Banalitäten, das qualitativ dem Niveau der Akteure nicht gerecht wurde. Der zweite Teil war Konzert pur, bei dem es das Publikum nicht mehr auf den Stühlen hielt. Es folgten Hit auf Hit, Zugaben und ein langer Schlussapplaus.

Von Andreas Köthe

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