Zum Abschluss der Reihe „Achtmal Alte Brüderkirche“ spielte das Nomos-Quartett Musik von Luigi Nono

Musik, die alles in den Schatten stellt

Die Akteure: (von links) Gabriele Heppe-Knoche, Charlotte Geselbracht, Martin Dehning, Tao Xia, Sabine Pfeiffer, Friederike Koch und Hermann Köhler. Foto: Fischer

Kassel. Das Zusammenspiel von Musik, bildender Kunst und Sprache gehört zum Konzept der Reihe „Achtmal Alte Brüderkirche“ und macht ihren Reiz aus. Ziel ist nicht das Nebeneinander der künstlerischen Ausdrucksformen, sondern das In-Beziehung-Setzen manchmal konträrer Ansätze.

Eine Garantie für das Gelingen gibt es hierbei allerdings nicht. Das Konzept kann auch scheitern - wie am Sonntag beim letzten Abend der Reihe. Im Zentrum stand eine der bedeutendsten Kammermusik-Kompositionen des späteren 20. Jahrhunderts: Luigi Nonos Streichquartett „Fragmente – Stille, An Diotima“ von 1979. Ein zweiteiliges Stück von fast 40 Minuten Dauer, das nicht nur höchste Anforderungen an die Interpreten stellt, sondern auch den Hörern eine große Anstrengung abverlangt.

Diese Werk nun überragte, zumal in der grandiosen Darbietung des Nomos-Quartetts, die übrigen Beiträge des Abends in eklatanter Weise. So konnte den auf chinesischer Kalligrafie beruhenden Skulpturen des Künstlers Tao Xia kaum Gerechtigkeit widerfahren.

Und auch die Wortbeiträge von Gabriele Heppe-Knoche und Hermann Köhler wirkten störend angesichts eines musikalischen Werks, das aus der Stille entstehen muss und insbesondere nach dem Verklingen Momente der Stille bedurft hätte.

Die vorgetragenen Texte von und an Hölderlin trugen auch nicht zum Verständnis bei, denn obwohl Nono Hölderlin-Fragmente in der Partitur notiert, hütet er sich doch strikt vor inhaltlichen Vorgaben ans Publikum. Zudem müssten auch an eine Rezitation künstlerische Maßstäbe angelegt werden.

Zu bewundern war aber die hohe Kunst von Martin Dehning und (als Gast) Charlotte Geselbracht (Violine), Friederike Koch (Viola) und Sabine Pfeiffer (Violoncello). So sprechend, so untergründig spannungsvoll und mit feinem Zeitgefühl, wie sie Nonos fragmentarische Klanggesten zum Leben erweckten, dürfte dies nur wenigen Ensembles gelingen. Pure Selbstverständlichkeit sind dabei für das Nomos-Quartett die seinerzeit noch ungewohnten Spieltechniken. Starker Beifall der 70 Zuhörer.

Von Werner Fritsch

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