Zwei Uraufführungen in der Alten Brüderkirche

Musik im Dornwald

Führten in der Alten Brüderkirche Musik, Film und Sprache zusammen: (von links) Stefan Hülsermann (Klarinette), Ji-Youn Song (Klavier), Susanne Minke (Film), Olaf Pyras (Schlagwerk) und Dr. Insa Meyer-Rohrschneider (Sprache). Foto: Malmus

KASSEL. Vielschichtige Eindrücke in Musik, Kunst und Sprache verspricht die Reihe „Achtmal Alte Brüderkirche“. Diesmal konnten 120 Besucher auf gleich zwei Uraufführungen gespannt sein. So auch auf die „Fragmente“ des jungen Kasseler Komponisten Thomas Höhl.

Der Preisträger des Kasseler Kunstpreises von 2011 bezieht sich in seiner Auftragskomposition auf Susanne Minkes Kurzfilm „Firnis“, der zuvor in der Alten Brüderkirche gezeigt wurde. Eine junge Frau sehnt sich nach Liebe, hat aber Angst, verletzt zu werden, sodass eine hölzerne Marienfigur ihre einzige Vertraute bleibt. Ein Restaurator tritt auf, es entsteht ein surrealer Traum.

Mit dem Lied „Maria durch ein Dornwald ging“ stellt Höhl den Bezug zu dem Film her. Nahezu allgegenwärtig ist die alte Melodie, die auf vielfältige Weise dekonstruiert wird. Keine Frage, die ausgezeichneten Musiker des Kasseler Trios Omphalos ließen keine Wünsche offen. Den Eindruck nicht gerade himmlischer Längen vermittelte das plakative Werk trotzdem. Dass es am Schluss des Programms stand, war ebenfalls ungünstig. Bei einigen Zuhörern verstärkte dies offenbar die Langeweile, denn sie verließen die Kirche vorzeitig.

Ausgereifter und subtiler war zuvor das von Stefan Hülsermann uraufgeführte Klarinettensolo „An Joseph Roth“ des früheren Kasseler und jetzigen Wiener Komponisten Reinhard Karger. Neben lyrischen Schönheiten faszinierte auch der bewegte mittlere Satz, in dem Karger unter Ausnutzung der verschiedenen Klarinettenregister eine pulsierende, groovige Textur geschrieben hat.

Apropos rhythmische Kraft. Damit und mit einem präzisen Zusammenspiel überzeugten Pianistin Ji-Youn Song, Schlagwerker Olaf Pyras und Klarinettist Stefan Hülsermann in Stücken der Amerikaner John Cage („Chess Piece“) und Tom Johnson („Rational Melodies“). Gut gewählt dazu die Texte von Pfarrerin Dr. Insa Meyer-Rohrschneider, etwa Ernst Jandls „Selbstporträt des Schachspielers als trinkende Uhr“. Langer Schlussbeifall für alle Mitwirkenden.

Von Georg Pepl

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