Im Spohr-Museum zeigen Thomas Stellmach und Maja Oschmann, wie ihr Film „Virtuos Virtuell“ entsteht

Musik - eine Geschichte in Bildern

Musik wird bildhaft: Thomas Stellmach und Maja Oschmann vor der Vergrößerung einer Tuschefigur. Foto: Fritsch

Kassel. Eine Künstlerin und ein Trickfilmer machen einen Film über ein fünfminütiges Stück Musik. Das hört sich schlicht an, doch dahinter verbirgt sich ein faszinierendes Projekt, an dem der Oscar-prämierte Filmemacher Thomas Stellmach und die Künstlerin Maja Oschmann seit April 2010 arbeiten. Eine Ausstellung im Spohr-Museum gibt jetzt Einblicke in diese ungewöhnliche filmische Arbeit, mit der im Februar 2013 die 1100-Jahr-Feier der Stadt Kassel eingeläutet werden soll.

Fünf Minuten und 15 Sekunden dauert die Ouvertüre von Louis Spohrs zur Oper „Der Alchymist“, und die beiden Autoren erzählen mit ihrem Film eine Geschichte dieser Musik. Protagonist ist ein Tuschepinsel, dessen Zeichnungen den Zuschauern innere Bilder eröffnen. Bilder von tanzender Bewegung, von Bedrohung, von friedlicher Idylle, von Aufruhr - und die am Ende, wenn Musik und Bilder sich emotional in der Schwebe halten, weiterwirken.

Die Austellung zeigt die Entstehung, das „Making of“ des Films „Virtuos Virtuell“, und sie ist - wie stets im Spohr-Museum - hervorragend aufbereitet. Wir sehen ein großformatiges Filmlayout, in dem die Abfolge der Tusche-Zeichnungen erkennbar wird, wir sehen (und hören) Ausschnitte aus dem Film, wir bekommen in Bildern und Videos die Pinsel und Federn vorgeführt, mit denen die Tusche-Zeichnungen entstehen, wir sehen die Materialien und die Techniken, die Maja Oschmann anwendet: Mit einer Spritze erzeugte Tusche-Wolken in Wasserbecken zum Beispiel.

Was man nicht sieht, aber erfährt, ist, dass für zwei Sekunden zeichnerischer Entwicklung bis zu einer Stunde Aufnahmematerial erzeugt wird. Der bildnerische Ausdruck muss ebenso stimmen wie die Synchronizität mit der Musik. Diese technisch-erzählerische Umsetzung ist Stellmachs Part.

Noch ist der Film nicht vollendet, es fehlt noch mehr als eine Minute, und auch die Finanzierung des 200 000 Euro teuren Projekts ist trotz zahlreicher beteiligter Sponsoren noch zu einem Drittel offen. Mit der Ausstellung hoffen die Autoren auf weiterere Sponsoren-Unterstüzung.

Die Ausstellungs-Besucher erwarten indes weitere Überraschungen. Zehn Komponisten, darunter der Kasseler Till Mertens, haben zu Sequenzen des Films eigene Musik geschrieben. Und wer in einem Gewinnspiel die Bilder herausfindet, die am besten zur Musik passen, kann eine Dokumentationsmappe mit DVD und weitere Preise gewinnen.

Zur Filmpremiere am 18. Februar 2013 wird das Kasseler Staatsorchester live Spohrs Musik spielen. Und der fertige Film wird zu einem Highlight in der ständigen Ausstellung des Spohr-Museums werden.

Spohrmuseum im Südflügel des Kulturbahnhofs. Bis 16. September, geöffnet Sa bis Mo 10 bis 16 Uhr und nach Vereinbarung. Tel. 0561-7662528, www.spohr-museum.de

Von Werner Fritsch

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