Musik, die Glauben schafft: Kirche feiert Themenjahr „Reformation und Musik“

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Stimmungsvolle Stiftskirche: Auch die Kaufunger Kantorei unter der Leitung von Martin Baumann (hier bei einem Gottesdienst an Weihnachten 2009) beteiligt sich am Themenjahr „Reformation und Musik“ mit einem Konzert am 1. April.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) geht aufs Ganze. 2017 wird der 500. Jahrestag der Reformation gefeiert, denn am 31. Oktober 1517 hat Martin Luther - so ist es überliefert - die berühmten 95 Thesen gegen seine, die katholische Kirche veröffentlicht.

Das war die Keimzelle der neuen Konfession - ein Schritt, hinter den es kein Zurück mehr gab.

Ein einzelnes Jahr des Feierns, des Bilanzierens, des Zurück- und Nach-vorne-Schauens schien den Verantwortlichen der EKD zu wenig, und so wurde schon 2008 die „Lutherdekade“ ausgerufen. Eine große Eröffnung und acht „Themenjahre“ führen zum großen Fest 2017 hin.

2012 ist der Musik gewidmet. Dieser Sonderplatz in der Mitte des Zehnjahreszeitraums hat seine Berechtigung, denn neben der Übersetzung der Bibel ins Deutsche sind das deutsche Kirchenlied und die protestantische Kirchenmusik das größte Geschenk der Reformation. Luther war sich sicher, dass der Glauben nur über die Musik an Kraft und Festigkeit gewinnen könne: „So sie’s nicht singen, gleuben sie’s nicht“, soll er gesagt haben.

Nach dem „Urkantor“ Johann Walter, der mit der Torgauer Stadtkantorei den ersten evangelischen Kirchenchor gegründet hatte, folgten mit Michael Praetorius, Heinrich Schütz, Johann Crüger, Johann Sebastian Bach über Felix Mendelssohn, Max Reger, Hugo Distler bis zu Dieter Schnebel zahlreiche bedeutende Komponisten, die ihre Werke als Teil der protestantischen Tradition verstanden.

Wie nun soll man dieses große Erbe besser feiern als mit Musik? Alle Musikwissenschaft und Theologie verblasst, wenn die Kantorei singt, wenn die Orgel erklingt oder wenn neuere Formen geistlicher Musik Gottesdienst und Konzert beleben. Die Musik ist ein Pfund, mit dem die EKD wuchern kann. Wenn große Oratorien oder kleine Chorstücke gesungen werden, sind die Kirchen oft voll.

In Augsburg ging es los

„366 + 1 - Kirche klingt 2012“ heißt der Rote Faden durch das Themenjahr „Reformation und Musik“. Was am 1. Januar in Augsburg begann, wird am 31. Dezember in Zittau enden. In einer Stafette wird an jedem Tag an einem anderen Ort ein Konzert stattfinden. Vom 1. bis 8. April, von Palmsonntag bis Karsamstag, ist die Evangelische Landeskirche von Kurhessen und Waldeck dran: Kaufungen (1.4.), Rotenburg (4.4.), Bad Wildungen (5.4.), Korbach (7.4.) und Fritzlar (7.4.) sind die Schauplätze in Nordhessen.

Als Folge eines etwas undurchsichtigen Auswahlverfahrens macht der Kirchenmusik-Marathon einen Bogen um Kassel. Südniedersachsen mit Göttingen (17./18. 5.) und Einbeck (19. 5.) folgen im Mai. Das Projekt wird viele Menschen in die Kirchen ziehen, die sich an die Worte des Reformators erinnern werden: „Die Musik ist eine Gabe und ein Geschenk Gottes; sie vertreibt den Teufel und macht die Menschen fröhlich.“.

www.luther2017.de

www.ekd-366plus1.de

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