Der zweite Abend beim Weltmusikfestival stand im Zeichen der Fusion

Musik auf höchstem Niveau

Kassel. Was für ein musikalischer Reichtum war das, der sich am Samstag über drei Konzert-Stunden von feinen, fast meditativen Klängen bis zum furiosen kollektiven Finale entwickelte. Der zweite Abend des Kasseler Weltmusikfestivals stand ganz im Zeichen der Fusion, zum einen von unterschiedlichen Musiktraditionen, zum anderen von traditionellen Instrumenten und elektrischer Bandbesetzung.

Der erste Block gehörte dem „East-Western Divan Ensemble“, welches die Musikkulturen des Nahen Ostens erkundet, pflegt und weiterdenkt. Guenter Bozem schafft mit seinem Ocean Drum Naturatmosphäre, darüber entspinnen sich die feinen, stimmhaften Linien von Nure Diovanis armenisch geprägter Violine. Als erdender Gegenpol gesellt sich das elektrische Cello von Susan Hirsch dazu. Im Mittelpunkt steht aber der beeindruckende kurdische Sänger Mikail Aslan, welcher Texte auf Zazaisch verfasst und so hilft, diese seltene Sprache zu bewahren.

Nach einer guten Stunde erweitert sich das Quartett um die zentrale Person des Abends, den E-Gitarristen Torsten de Winkel. Der Sound wird fast ein wenig poppig, die Sängerin Devrim Kavalli findet dafür einen warmen, sehr emotionalen Ton.

Dann gehört die Bühne dem Bimbache Openart Festival Ensemble. Gebettet auf einen nunmehr dichten Fusion-Sound aus E-Bass, Schlagzeug und Gitarre, gewinnen die Sängerinnen Luisa Machado und Bibiana Monje das Publikum sofort für sich. Kike Perdomo umspielt mit einem exzellenten Sopransaxofon, Torsten de Winkel präsentiert schnellste Jazzlinien.

Ein Höhepunkt des Abends wird aber noch kommen: Vor zehn Tagen traf Torsten de Winkel auf einen Flüchtling aus Afghanistan, der sich als Ausnahmemusiker erwies, und nahm ihn spontan ins Programm auf. Was Ustad (der Titel für einen Meister) Ghulam Hossain auf seiner Sarod im Duo mit dem indischen Tabla-Virtuosen Amit Mishra zauberte, war traditionelle indische Musik auf höchstem Niveau.

Im gut besuchten Foyer der Sparkasse gab es dafür - wie für den ganzen wunderbaren Abend - tosenden Beifall.

Von Hartmut Schmidt

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