Martin Baumann führte in Kaufungen mit drei Chören die Johannespassion von Gottfried August Homilius auf

Musik zur inneren Läuterung

Drei Chöre vereint: Passionsaufführung in der Kaufunger Stiftskirche. Foto: Schachtschneider

KAUFUNGEN „Das war mal was anderes“, sagte eine Zuhörerin nach dem Ende des Konzerts. Natürlich wird jede Passion mit den beiden großen Passionen Bachs verglichen. Doch so anders ist die Johannespassion von Gottfried August Homilius (1714-1785), die am Sonntagnachmittag in der Kaufunger Stiftskirche aufgeführt wurde, gar nicht: Rezitative, Arien, Choräle, kürzere und längere Chorsätze hat der Schüler Bachs angelegt wie sein großer Lehrer.

Seine Klangsprache ist dabei milder, ein wenig Mozart scheint hier und da schon auf. Die Texte zielen eher auf eine innere Läuterung als auf äußere Erschütterung. Die Aufgaben für das Orchester (überwiegend stilsicher das Concertino del Barocco Göttingen) sind oft originell, so zum Beispiel beim Choral „Gloria sei dir gesungen“.

Martin Baumann, der Kaufunger Kantor, hat das große zweieinviertel Stunden dauernde, 39 Nummern umfassende Werk mit seiner Kantorei einstudiert, hat außerdem den Jugendchor und für die Choräle sogar den Kinderchor hinzugenommen, was nicht nur ein schönes Bild, sondern auch eine hübsche Auffrischung des Klangs ergab. Die Choräle gelangen durchweg ruhig und innig, bei den längeren Chorpartien musste man kleine Abstriche machen, was Einsatzgenauigkeit und Sauberkeit anging.

Nicht weniger als sechs Vokalsolisten waren zu hören. Mit Abstand die größte Partie hatte Florian Brauer zu absolvieren, der nicht nur den Evangelisten sang, sondern auch noch drei Tenorarien. All dies tat er mit Ausdauer und schönem Ausdruck. Auch Anna Palupski (mit kleinen Schwierigkeiten in der Höhe) und Thomas Wiegand (Bass) schlossen an dieses gute Niveau an. Diana Kettner (Sopran) und Isabell Großmann (Alt) konnten nicht ganz mithalten, während Helmut Weckesser nur kleinere Aufgaben hatte.

Etwa 250 Zuhörer waren gekommen. Trotz der Bitte um Stille nach dem Konzert setzte nach einem gebührenden Innehalten doch noch ein kleiner Beifall für ein besonderes Konzert ein.

Von Johannes Mundry

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