Musik mit Kick: Das Jazz-Trio Joern and the Michaels

Ihre Lieder machen Appetit auf mehr: Pianist Michael Linke (von links), Schlagzeuger Jörn Peeck und Bassist Michael Haupt. Foto: nh

Kassel. Schon bei ihrem allerersten Konzert schafften Joern and the Michaels etwas, was anderen Musikern nie gelingt. Das Kasseler Jazz-Trio spielte auf einer WG-Party in der Wilhelmshöher Allee, und um halb eins in der Nacht stand die Polizei vor der Tür, weil sich Nachbarn über den Lärm beschwert hatten.

Schon damals wussten die WG-Gäste: Schlagzeuger Jörn Peeck (23), Pianist Michael Linke (24) und Bassist Michael Haupt (24) können rocken, was nicht selbstverständlich ist für eine Jazz-Formation. Mittlerweile haben Joern and the Michaels dies auch schwarz auf weiß. Zwei Jahre nach ihrem ersten Konzert erhält die Band im November den mit 7500 Euro dotierten Kasseler Kunstpreis. „Unser Stilmix hat die Jury wohl überzeugt“, glaubt Linke, der aus Helsa stammt und seine Band-Kollegen beim Musikstudium an der Kasseler Uni kennengelernt hat.

Ihren Stil bezeichnen sie als „Kick-Jazz“, was bedeutet soll, dass sie der Musik in den Hintern treten. „Viele denken, Jazz sei nur etwas für Intellektuelle und Rotweintrinker“, hat Peeck festgestellt, der früher in einer Punkrockband trommelte. Die Lieder von Joern and the Michaels indes sind eingängig. Sie rücken den Jazz, wie ihn etwa das Esbjörn Svensson Trio spielte, in Richtung Pop und Noise-Rock. „Es geht nicht darum, wie virtuos man spielt, sondern wie man zusammenspielt“, sagt Linke.

Wenn man mit den drei jungen Männern spricht, möchte man ihnen gleich noch einen Preis überreichen: Selten hat man Musiker erlebt, denen man die Freude am Musikmachen schon beim Reden so sehr anhört.

Diesem Enthusiasmus erlagen auch die Mitglieder des renommierten Rusconi Trios. Im Frühjahr fuhren Joern and the Michaels als Konzertbesucher in den Wiesbadener Schlachthof, um den Auftritt der Schweizer zu erleben, die „Jazz mit der Energie des Rock spielen“, wie Kritiker schreiben. Nachher fragten die Nordhessen den Pianisten Stefan Rusconi, ob er mit seiner Band nicht einmal in Kassel spielen wolle. „Ja“, sagte der, „aber nur, wenn ihr auch dabei seid.“ So treten die Newcomer am Freitag mit den Echo-Preisträgern im Uni-Konzertsaal auf - organisiert vom Kasseler Schlachthof.

Von der Prämie des Kasseler Kunstpreises will das Trio im Herbst einen Trip auf eine Berghütte in der Nähe von Innsbruck finanzieren. Dort sollen die Stücke für das Debütalbum einstudiert werden. Die Polizei wird das Proben in der Abgeschiedenheit der Alpen mit Sicherheit nicht stören.

Joern and the Michaels live: Donnerstag, 19.30 Uhr, Uni-Konzert mit Blechbläserensemble, Streetband und Bigband. Freitag, 20.30 Uhr, Doppelkonzert mit dem Rusconi Trio, jeweils im Institut für Musik, Mönchebergstraße 1. 29. Juli, 12 Uhr, Bergpark-Konzerte. www.joernandthemichaels.de

Von Matthias Lohr

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