Musik mit Suchtpotenzial: David Knopfler und Harry Bogdanovs im Theaterstübchen

Kassel. Der schottische Gitarrist, Pianist und Sänger David Knopfler ist zwar Gründungsmitglied der bekannten Rockband Dire Straits und der kleine Bruder von Altmeister Mark Knopfler, doch eigentlich hat er mit diesen Fakten seiner Vita schon lange abgeschlossen.

Mitten in der Produktion des dritten Studioalbums „Making Movies“ der Straits hatte er 1980 das Handtuch geworfen. Er tauschte Ruhm und Reichtum gegen kreative Selbstbestimmung und tingelte fortan mit mäßigem Erfolg durch die Weltgeschichte.

Bei seinem Konzert mit Gitarrist und Pianist Harry Bogdanovs im Theaterstübchen konnte man die Ergebnisse seines schöpferischen Schaffens genießen. Es ist ein unaufdringlich daherkommender Countryfolk, der seinen Alltagserlebnissen und Lebenserfahrungen den musikalischen Rahmen bietet. Unspektakulär, doch je länger das Konzert andauerte, erwiesen sich Knopfler und Bogdanovs als filigrane Fingerpicking-Spezialisten. In der Summe wirkten die durchweg mit einem geschmeidigen Puls unterlegten Songs wie eine Seelenkur.

Ein melancholischer Blick hinter die Kulissen einer oberflächlich gelebten Geschwindigkeitsformel, mit der man heutzutage verzweifelt versucht, seinem Leben einen Sinn zu geben. Dabei ist Knopflers Gesang alles andere als brillant. Brüchig, drucklos in der Höhe und nur ansatzweise mit dem rauen Timbre eines naturverbundenen Countrysängers gesegnet. Doch er hat emotionalen Zugriff auf die Kompositionen, die sich stetig in der romantischen Begegnung von Dur und Moll einen Wettbewerb um die einfühlsamsten Akkordverbindungen liefern.

Diese desinfizierende Melange beruhigt, macht zunehmend süchtig. Als läge man in einer Lauge aus Konflikten, in der man nur noch durch den Strohhalm der vertonten Hoffnung Luft bekommt. Diese Stimmung begeisterte das Publikum und sorgte für großen Applaus.

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