Kammerkonzert im Opernfoyer: Musik voller Herzblut

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Schmerzliche Lieder aus Afrika: Silja Raeber (Violine, von links), dahinter verdeckt Xin Tan (Klavier), Musa Nkuna (Tenor), Cornelius Schmaderer (Violoncello) und Paul Wiederin (Viola) im Opernfoyer.

Kassel. Manche zeitgenössische Musik wirkt, als wäre sie eine reine Kopfgeburt. Deshalb freut man sich umso mehr, wenn man das Herzblut des Komponisten zu spüren glaubt. Solche Emotionen gab es beim ersten Kammerkonzert der Spielzeit im Opernfoyer.

Der aus Südafrika stammende, in Kassel lebende Sänger und Komponist Musa Nkuna erwies sich als Mann des Abends. Von ihm erklangen zwei Werke, die beide auf Südafrika Bezug nahmen. So vereinte sein Streichquartett „Peaceful Shangaan Village“ Merkmale des „westlichen“ Streichquartetts mit Elementen der Tsonga-Musik – die Tsonga, auch Shangaan genannt, sind einer der neun Stämme Südafrikas.

Zu genießen war eine friedlich-frische Weltmusik, bedeutsam dabei als Formidee das afrikanische „Ruf-Antwort-Prinzip“. Einen schmerzlichen Ton schlug hingegen der Zyklus „Elements of Despair“ an, sechs Lieder für Gesang, Streichquartett und Klavier, die in dieser Version uraufgeführt wurden.

Musa Nkuna zeigte als Komponist sein Gefühl für neoromantische Melodien sowie seine Fähigkeit, Stimmungen zu erzeugen. Und er sang die Texte des südafrikanischen Dichters James A. Harrison mit einer klaren, lyrischen, zu beträchtlicher Emphase fähigen Tenorstimme. Nach begeistertem Applaus der 110 Gäste gab es noch eine eigens arrangierte Tsonga-Hymne.

Die weiteren Musiker, denen der Beifall galt, waren Karin-Regina Florey (Violine), Paul Wiederin (Viola) und Cornelius Schmaderer (Cello) vom Trio Assiano sowie die Geigerin Silja Raeber und der Pianist Xin Tan. Das Trio Assiano spielte auch zwei Streichtrios – etwas blass und intonationsgetrübt das Stück von Leó Weiner, fesselnd dagegen das g-Moll-Trio von Jean Sibelius. Auch Sibelius war ein Herzblut-Komponist.

Von Georg Pepl

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