Millionen nutzen Internetdienst Soundcloud als Youtube für Töne

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Ganz einfach: Mit Soundcloud (hier die Startseite) kann man Musik und Töne mit anderen teilen.

Berlin. Eine Berliner Firma macht es möglich, dass den neuesten Song der Kasseler Musikerin Ira Göbel innerhalb von fünf Stunden mehr als 400 Menschen gehört haben. Erst am Mittwochabend war „In Love“ fertig geworden.

Ira Göbel alias Ira Atari

Am nächsten Tag lud die Electro-Künstlerin, die als Ira Atari 2011 ihren Durchbruch feierte, den Track beim Internetdienst Soundcloud hoch und postete den Link auf Facebook. Wenig später schrieben dort ihre knapp 6000 Fans enthusiastische Kommentare wie: „Haben, Kaufen, Herzen, nie wieder hergeben möchten“.

Göbel alias Atari war zuletzt in London, tritt nächste Woche in Wien auf und weiß, wie die moderne Musikwelt funktioniert. Sie sagt: „Soundcloud gefällt mir von allen sozialen Netzwerken am besten.“ Ähnlich dachten wohl auch die Risikokapitalgeber des Instituts Kleiner Perkins Caufield & Byers, die bereits Google und Facebook Starthilfen gaben. Die Kalifornier unterstützen Soundcloud mit einer Kapitalspritze angeblich in Höhe von 50 Millionen Dollar. Der Dienst gilt nun als Youtube für Musik und Töne.

Schwedischer Gründer: Alexander Ljung.

Ursprünglich gründeten die Schweden Alexander Ljung und Eric Wahlforss Soundcloud, damit sie sich nicht mehr umständlich große Musik-Dateien per E-Mail zusenden mussten. Sie speicherten sie einfach in der Datenwolke. Vier Jahre später hören mehr als neun Millionen Nutzer über Soundcloud die neuesten Lieder ihrer Lieblingskünstler. Wie bei Twitter kann man die Veröffentlichungen sogar per Smartphone-App abonnieren, und der Player ist ganz einfach in andere Netzwerke wie Facebook einzubetten. „Das ist echt praktisch“, sagt Ira Göbel. Selbst das Interview von Bundespräsident Christian Wulff mit ARD und ZDF gibt es auf Soundcloud.

So ungewöhnlich wie der Erfolg ist auch die Entstehungsgeschichte. Von Stockholm aus suchte der Sounddesigner Ljung (30) einen internationalen Standort für seine Firma. Mit seinem Kollegen reiste er nach London, Barcelona, Wien und Berlin und entschied sich sofort nach der Rückreise für die deutsche Hauptstadt.

Ohne Deutsch zu sprechen, zog Ljung an die Spree. Das erste Büro war ein Tisch in einem Café in Mitte. Die Kreativszene gefiel ihm, weil man auch mal um 14 Uhr leicht verkatert zum Meeting erscheinen könne. „Nur in Berlin gibt es professionelle Clubgänger und Leute, die sich mit zehn Stunden Arbeit in der Woche über Wasser halten können“, sagt der 30-Jährige, der selbst bis zu 15 Stunden täglich arbeitet.

Die Hauptstadtpresse feiert ihn schon als Helden eines Start-up-Booms in Berlin, das zum „Silicon Valley Europas“ geworden sei. Dazu passt Ljungs Twitter-Meldung von Anfang Januar: „2012 hat mit einem Knall angefangen.“ Er hatte sich in Miami den Fuß gebrochen.

www.soundcloud.com

Von Matthias Lohr

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