Zwischen Musik und Architektur: Die fesselnde Performance „Lettner“ in der Alten Brüderkirche

Die musikalischen Maurer

Bauten eine Mauer, die sich stetig wandelte: Gabriele Heppe-Knoche (von links, Sprache), André Füsser (Architekt), Justin Sebastian (Trompete), Olaf Pyras (Klangkunst) und Nusara Mai- ngarm (Tanz). Foto: Malmus

Kassel. Wie klingt es, wenn Ziegelsteine aneinandergerieben werden? Die Frage mag man sich in der Kindheit stellen, später wird sie zumeist vergessen. Eine der vielen Aufgaben von Kunst ist es, an diese Entdeckerfreude zu erinnern. Denn das Reiben von Ziegelsteinen klingt spannend, wenn man sich darauf einlässt wie bei der Reihe Achtmal Alte Brüderkirche.

Der Schlagzeuger und Kasseler Uni-Dozent Olaf Pyras präsentierte dort mit dem Künstler André Füsser, der Tänzerin Nusara Mai-ngarm und dem Trompeter Justin Sebastian die Performance „Lettner“. So heißt die Schranke, die in Klöstern und Kirchen Priester von Laien trennt.

Mit dem Bau einer sich ständig wandelnden Mauer stellten die Akteure die Grenze zwischen dem Geistlichen und dem Weltlichen infrage, denn eine profane Tätigkeit wie das Reiben von Steinen bekam durch den Akt der Performance einen nahezu sakralen Stellenwert. Viel zu sehen und zu hören gab es auf unaufgeregte Weise. 150 Gäste, die zuletzt viel Beifall spendeten, wurden für die spezifische Akustik des alten Kirchenraums empfindsam gemacht.

Das Knirschen von Sand unter den Schuhen, das Klopfen auf Klangsteine, das Spiel an einem aus Maurerkellen gebastelten Instrument, die Naturtöne der vom Dachstuhl aus geblasenen altnordischen Trompete Lure, die tänzerische Anmut - dies und mehr trug zu einer Mehrstimmigkeit der Eindrücke bei, die nicht überrumpelte, aber fesselte.

Pfarrerin Gabriele Heppe-Knoche, die Leiterin des die Reihe veranstaltenden Evangelischen Forums, las fein abgestimmte Texte, etwa einen Gedanken des Dichters und Nobelpreisträgers T.S. Eliot (1888-1965), der den Forscherdrang auf den Begriff brachte: „Wir werden nicht aufhören zu erkunden, und das Ziel all unserer Erkundungen wird die Ankunft an unserem Ausgangspunkt sein, den wir dann zum ersten Mal erkennen.“

Von Georg Pepl

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