Rettig überzeugt beim Niestetaler Klavierfestival mit virtuosem Programm

Außergewöhnliches Talent: Die 20-jährige Leonie Rettig vor ihrem Auftritt in Sandershausen. Foto: Malmus

Niestetal. Dass die etwas erschöpft aussehende Leonie Rettig am Mittwochabend im Gemeindehaus Sandershausen auf eine Zugabe verzichtete, war irgendwie verständlich.

Schließlich hatte sich die gerade einmal 20-Jährige kein einfaches Programm ausgesucht und insbesondere im zweiten Konzertteil einen wahren Marathon mit Liszts Vallée d’Obermann, Sonetto del Petrarca 123 sowie der Ballade Nr. 2 in h-Moll zurückgelegt.

Die mit einer guten Technik und dem nötigen musikalischen Feingespür ausgestattete Pianistin ließ beim Niestetaler Klavierfestival bereits nach den ersten Tönen keine Zweifel aufkommen, dass dieser Komponist ihr in Fleisch und Blut übergegangen ist. Bemerkenswert, wie die im zweiten Semester an der Musikhochschule Hannover Klavier studierende Musikerin diese Werke mit einer enormen Ruhe und Sorgfalt ausdeutete und sich auch von den virtuosen Stellen nicht in die Knie zwingen ließ.

Souverän meisterte sie ein Programm, das mit Werken von Bach, Haydn, Rachmaninow, Liszt und dem etwas weniger bekannten Komponisten Dutilleux einen weiten Bogen vom Barock bis zur Moderne spannte. Auch wenn es bei Bachs Fuge Nr. 22 in b-Moll etwas an der klanglichen Transparenz fehlte, bestach die hochbegabte Pianistin dennoch mit dem äußerst gefühlvoll dargebotenen Präludium dieses Werkes.

Äußerst filigran und scheinbar spielerisch leicht wirkte Haydns lebhafte Sonate e-Moll. Einen Kontrast zu diesem Stück bildete das folgende wesentlich düster und schwerfälliger anmutende Moment Musicaux Op. 16 Nr. 3 Andante Cantabile in h-Moll von Rachmaninow.

Ungewohnte Klänge offenbarte dagegen Henri Dutilleux’ Sonate Nr. 3: Choral et Varia-tions. Dabei verstand es Rettig meisterhaft, die komplexe und vielschichtige Tonsprache des Franzosen den rund 80 Zuhörern stilgerecht zu rezitieren.

Das weitere Programm:

Heute: Rostocker Klavierduo mit Olha Chipak und Oleksiy Kushnir.

Samstag: Ashely Hribar, Hannover, mit „Gershwin trifft Ravel and beyond“, anschließend: Gemütliches Beisammensein mit Wein und Käse.

Sonntag: Klavierduo Wang/Wang, Rostock, Programm: Claude Debussy, Benjamin Britten, Felix Mendelssohn Bartholdy, George Gershwin.

Montag: Klavierabend mit Helge Aurich, Rostock.

Dienstag: Klavierabend mit Alexey Lebedev, Hannover.

Beginn um 19.30 Uhr im ev. Gemeindehaus von Niestetal-Sandershausen, Eintritt frei.

Von Sebastian Krämer

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