Umjubelter Auftritt der A-cappella-Band Maybebop im Kasseler Opernhaus

Musikalischer Slapstick

Tolles Quartett: (von links) Lukas Teske, Sebastian Schröder, Jan Bürger und Oliver Gies. Foto: Schölzchen

Kassel. Von Anfang an war die Stimmung im fast ausverkauften Opernhaus gut, war das Publikum an ihren Helden auf der Bühne doch „extrem nah dran“. So lautet sowohl Titel als auch Motto des neuen Albums der deutschen A-cappella-Band Maybebop, die ein regelrechtes Bühnenspektakel mit Gesangs-, Tanz- und Showeinlagen aufführte und dabei immer wieder den Kontakt zum Publikum suchte.

Das neue Repertoire wartet mit originellen Bearbeitungen bekannter Songs und mit tollen Eigenkreationen auf. Da entpuppt sich Bachs „Air“ erst als stilgerechter, bald aber jazzig harmonisierter Vokalsatz, der Schlager „20 cm“ wird auf das Niveau einer klassischen Opern-Arie im Stil eines bekannten Tenor-Trios gehoben. Und Rammsteins „Engel“ tauscht das Darbietungs-Genre mit „Mein kleiner grüner Kaktus“, eine Paradenummer für den Bass der Truppe, Sebastian Schröder, der beim irrwitzigen Song „Vogel“ beweist, dass er als „Grimassen-Supervisor“ auch für Slapstick-Comedy sorgen kann.

Das gelingt dem Countertenor Jan Bürger mit dem im spanischen Schlagerstil gesungenen „Fpaniff“, in dem er über seinen S-Fehler singt, ebenso hervorragend. Auch einen stilechten Bebop hat die Band im Programm: Man nehme eine einfache Melodie, „Es tanzt ein Bibabutzemann“, einen irre schnellen Walking Bass, einen Beat-Boxer mit gewieften Vocal-Percussion-Fills (in Person von Lukas Teske), rasant gesungene Skalen-Impros des Countertenors und ein bopiges Scat-Gesang-Solo von Oliver Gies.

Dieser schreibt als Kopf der Band nicht nur die meisten Arrangements, sondern ist auch für die Improvisation hauptverantwortlich. Beinahe unfassbar genial, wie er auf Zurufe des Publikums aus den Worten Documenta, FDP, Plagiat, Supercalifragelisticexpialigetisch, Ahle Wurscht, Damenkrawatten, „E10“ und Nudelsalat einen humorvollen Songtext aus dem Stegreif zaubert, der von den Kollegen ebenso gut im Country-, dann im Reggae-Stil begleitet wird.

Das hielt nach dem Schlusston keinen Zuschauer mehr auf seinem Platz. Und so gab das Quartett nach langem Applaus und Standing Ovations noch drei Zugaben.

Von Alexander Pluquett

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