Ein musikalisches Ereignis: Mozarts c-Moll-Messe beim Silvesterkonzert

Leitete souverän: Kantor Eckhard Manz in der Kasseler Martinskirche. Foto: Fischer

Kassel. Die Erstaufführung eines vervollständigten Mozart-Werks, 218 Jahre nach dem Tod des Komponisten, ist ein ungewöhnliches Unterfangen. Weshalb Mozart seine große c-Moll-Messe KV 427 nicht vollendet hat, ist nicht endgültig zu klären.

Vermutlich sah er keine Aufführungsmöglichkeit für eine derart umfänglich angelegte Messe.

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Schon um 1800 wurden aber die ersten Versuche unternommen, den Torso zu vervollständigen. Doch erst mit den Ergänzungen der 2005 von dem US-Musikwissenschaftler Robert Levin vorgelegten Fassung kam die Geschichte der c-Moll-Messe zu einem (vorläufigen) Abschluss.

Zum ersten Mal war diese Fassung jetzt in Kassel in dem von Kantor Eckhard Manz geleiteten Silvesterkonzert der Martinskantorei zu hören. Ein musikalisches Ereignis, das wohl niemanden in der übervollen Martinskirche unberührt ließ.

Gewichtig und ernst wirkten der machtvolle Choreinsatz und die markante Deklamation des „Kyrie eleison“. Der unbeschwerte Mozart - in diesem vom Vorbild Bach beeinflussten Werk von jetzt 90 Minuten ist er erst am Schluss zu entdecken: in der von Levin nach einer Skizze des Komponisten eingesetzten Doppelfuge „Dona nobis pacem“.

Besonders groß sind in dem 1783 entstandenen Werk die Kontraste zwischen expressiven Chorpassagen und intimen Soloabschnitten. Mit anrührender Klarheit und Innigkeit sang Staatstheater-Sopranistin Ingrid Frøseth das „Et incarnatus est“ im Credo-Teil. Frøseth und ihre Sopran-Partnerin Anja Petersen (die anfangs in der Solomotette „Exsultate, jubilate“ brilliert hatte) setzten die solistischen Glanzlichter im Quartett mit Jörg Nitschke (Tenor) und Jens Hamann (Bass).

Ab dem dritten Abschnitt des „Credo“, im „Sanctus“, „Benedictus“ und „Agnus Dei“ übernimmt Levin die Regie - teilweise unter Verwendung von Material Mozarts, etwa aus der Kantate „Davide penitente“. Es ist in hohem Maße verblüffend, wie bruchlos er das Werk weiterführt.

Wolfgang Sandner schrieb in der FAZ von einer „Entschlüsselung des genetischen Codes von Mozarts Genie“. Die Geschlossenheit der Kasseler Aufführung entsprang der souveränen Leitung von Eckhard Manz. Bewundernswert, wie die Kantorei St. Martin insgesamt den anspruchsvollen Chorpart bewältigte - unterstützt von einem Orchester, das (bis auf kleine Wackler) ausdrucksvoll agierte. Langer Beifall.

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