Das Young Euro Classic Orchester Südosteuropa in Kassel

Musikalisches Feuer

Zu Gast in der Kasseler Martinskirche: Das Young Euro Classic Orchester Südosteuropa mit seiner Leiterin Liana Isakadze. Foto: Fischer

Kassel. Mit viel musikantischem Temperament und einer eher traditionell-romantischen Art des Musizierens - so präsentierte sich das Young Euro Classic Orchester Südosteuropa in der gut besuchten Kasseler Martinskirche.

Nach Auftritten in Berlin und Melsungen war das Ensemble, das von der berühmten georgischen Geigerin Liana Isakadze, einer Oistrach-Schülerin, geleitet wird, Gast in einem Sonderkonzert der Kasseler Musiktage. Vermittelt durch deren Leiter Dieter Rexroth, der auch das Young Euro Classic-Festival in Berlin betreut.

Sinfonisches von Mozart (1. Satz aus KV 338) und von Haydn („Paukenschlag“-Sinfonie) bildete den Rahmen - sehr feurig und auch etwas massiv gespielt - dem Temperament der jungen Musiker aus den Ländern Ex-Jugoslawiens, aber auch dem intensiven Zugriff der Leiterin entsprechend.

Das eigentlich Spannende ereignete sich dennoch an anderer Stelle. Zum Beispiel im Spiel des erst 19-jährigen Pianisten Mark Ehrenfried, dem Solisten von Mozarts d-Moll-Konzert KV 466. Fantastisch, wie klar und brillant der etwas unkonventionell auftretende Ehrenfried den ersten Satz anging, wie er die Romanze zwischen Nachdenklichkeit und feiner Ironie ausbalancierte und dabei jegliche sentimentale Zutat vermied. Das Finale spielte er rhythmusgetrieben und mit pianistischer Bravour.

Dass er in den Kadenzen und erst recht bei seiner selbst komponierten Zugabe Ausflüge in den Pianopop unternahm, quittierten einige konservative Klassik-Fans mit Naserümpfen - völlig zu Unrecht. Denn dieser Pianist hat wirklich Klasse.

Doch Ehrenfried war nicht der einzige Star des Abends. Auch Liana Isakadze sorgte mit ihrer höchst intensiven, tonlich edlen und geigerisch makellosen Interpretation des Vivaldi-Konzerts RV 278 für Beifallsstürme.

Dass daneben die junge serbische Komponistin Jelena Dabic mit ihrer komplexen, dennoch gut fasslichen Orchesterkomposition „In circle“ vertreten war, gab dem Konzert zusätzlich Gewicht.

Als musikantischen Rausschmeißer spielten die jungen Musiker, teils in pultweisem Wechsel, eine Walzer-Collage von Werner Thomas-Mifune.

Von Werner Fritsch

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