Beim Oben-Festival 

Musiker Dellé von der Band Seeed kommt nach Baunatal

+

Baunatal. „Ich bin ein ganz normaler Spießer": Interview über Reggae-Stars, die nicht kiffen, und seinen Auftritt beim Oben-Festival mit Seeed-Sänger Dellé. 


Dafür, dass der Reggae-Musiker Dellé so erfolgreich ist, ist er ganz schön unbekannt. Viele kennen ihn von der Berliner Dancehall-Gruppe Seeed, wo er neben Peter Fox singt und nur der „Typ mit den Dreadlocks“ ist. Dabei haben in den vergangenen Jahren nur wenige Bands derart abgeräumt wie die elf Berliner. Und auch solo ist Dellé eine Marke. Am Samstag ist der 46-Jährige einer der Stars beim Oben-Festival auf der Baunataler Knallhütte.

Sie haben in Berlin, New York und Ghana gelebt. Aufgewachsen sind Sie aber auch in Hann. Münden. Ist der Auftritt beim Oben-Festival eine Heimkehr?

Dellé: Irgendwie schon. Heimat war für mich immer da, wo meine Eltern lebten. Mein Vater stammt aus Ghana und hat in Berlin Medizin studiert, wo meine Mutter Krankenschwester war. Weil meine Mutter nicht wollte, dass wir Kinder in einem Großstadtmoloch aufwachsen, wohnten wir zwischenzeitlich im Schwarzwald. Meine Oma stammt aus Friedland, darum sind wir 1982 nach Hann. Münden gezogen. Dort hatte ich meine erste Band. Manfred „Manne“ Schmidt hat mir das Schlagzeugspielen beigebracht. Er lebt heute noch in Hann. Münden.

Sie sind aber schon 1986 weitergezogen.

Dellé: Ja, das Abi habe ich in Trier gemacht. Im Nachhinein empfinde ich die vielen Wohnorte als absolute Bereicherung. Meine Familie ist auf der ganzen Welt zu Hause. Ich werde oft gefragt, wo ich herkomme, weil ich anders aussehe. Das ist für mich total nachvollziehbar. Die Frage beschäftigt Menschen überall auf der Welt.

Auf Ihrem neuen Album „Neo“ singen Sie über die Psychose eines Freundes. Und in „Trisomie 21“ geht es um die Angst, dass Ihr Sohn nicht gesund auf die Welt kommen könnte. Wie schwierig ist es, solch persönliche Themen zu behandeln?

Dellé: Musik ist ein gutes Ventil für mich, Probleme zu verarbeiten. Das Leben ist nicht gerecht. Der eine wird in eine reiche Familie geboren, der andere kriegt mit zwölf eine Kugel in den Kopf. Manchmal frage ich mich: Wann kommt mein fettes Ding? Unsere Tochter kam gesund auf die Welt. In dem Lied frage ich mich, wie es wäre, wenn unser Sohn behindert wäre. Das Album ist wie ein Tagebuch.

Ernste Themen verbindet man in Deutschland nicht mit dem Reggae, der hier das ewige Summer-Sunshine-Image hat.

Dellé: Das liegt daran, dass die Leute die Texte oft nicht verstehen. Dabei war Reggae schon bei Bob Marley Rebel Music. Aber ich kann nachvollziehen, dass die Musik hier anders wahrgenommen wird. Der Rhythmus ist extrem entspannend. Man hat schnell die Bilder aus der Karibik vor Augen. Das macht einen glücklich.

Wie gut kann man als Musiker leben, wenn man so großen Erfolg hat wie Sie mit Seeed?

Dellé: Das ist eine privilegierte Situation. Ich habe Seeed im Hintergrund und kann solo mein Baby machen, ohne dass ich kommerziell unter Druck stehe. Trotzdem hat es mein Debütalbum bis auf Rang elf der Charts geschafft. Seeed kennt jeder. Mein Gesicht ist medial aber nicht präsent, weil ich nie im Fernsehen bin. Wenn ich meine Kutte ausgezogen habe, bin ich nur der Typ mit den Dreadlocks.

Wie ist es, Reggae-Musiker zu sein und noch nie gekifft zu haben?

Dellé: Man sieht alles sehr klar. Es gibt übrigens viele Reggae-Musiker, die nicht kiffen. Bei mir war es wie ein sportlicher Wettbewerb. Schon auf dem Schulhof konnte ich sagen, es nie getan zu haben. Ich liebe es, das Klischee zu brechen. Das kickt mich mehr als Marihuana. Allerdings habe ich in meinem Leben sehr viel passiv gekifft. Meinen ersten Joint werde ich vielleicht erst dann rauchen, wenn meine neunjährige Tochter in das Alter kommt und mich fragt, ob ich mal probieren will.

Auf dem neuen Album geht es sogar um den Hausbau mit Ihrer Familie. Ihr Leben klingt so gar nicht nach Sex and Drugs and Rock'n'Roll.

Dellé: Ich bin ein ganz normaler Spießer. „Neo“ bildet meine jüngste Lebensphase ab, in der es auch um Kredite und den Hausbau geht. Das sind halt die Sachen, die man macht, wenn man um die 40 ist. Ich mähe Rasen, baue eine Terrasse und rocke zwischendurch die Bühne.


Geboren: am 12. März 1970 in Berlin als Frank Allessa Dellé
Ausbildung: Filmtoningenieur-Studium
Karriere: Seine erste Band gründete Dellé 1984 in Hann. Münden. Ab 1998 wurde er als Sänger der Dancehall-Gruppe Seeed bekannt. Sein Solo-Debüt erschien 2009.
Privates: Der Vater zweier Kinder lebt mit seiner Familie in Berlin.
Das neue Album: „Neo“ erscheint am 24. Juni bei Universal. 

Das Festival

Ort: Knallhütte, Baunatal-Rengershausen (Hütt-Brauerei)

Veranstalter: Junge Kreative aus Kassel, die auch den Club Unten am Kulturbahnhof betreiben - daher der Name.

Der Zeitplan für Samstag:

Hauptbühne (Zelt):

13.30 Uhr: Seau Volant

14 Uhr: Heinrich II

14.30 Uhr: Wir bringen kalten Kaffee mit

15.15 Uhr: Vögel die Erde essen

16.15 Uhr: Dark Vatter

17.30 Uhr: Kytes

18.30 Uhr: Claire

20 Uhr: Romano

21.15 Uhr: Dellé

22.45 Uhr: Milky Chance


DJ Bühne (Zelt):

13 Uhr: Cuzzle Hyopaiz

14 Uhr: Joe Kickass

15 Uhr: Antifuchs

15.45 Uhr: Arth Goldau

16.45 Uhr: Milés Borghese

18 Uhr: Basti Fabel

20 Uhr: Robot Koch

21 Uhr: #Instantbooner

22 Uhr: Der Schmeisser

Tickets (37,50 Euro) an der Tageskasse. 

Weitere Informationen gibt es hier

Lesen Sie dazu auch:

Pop-Duo Milky Chance gibt Überraschungskonzert in Baunatal

Brauereifest und Oben-Festival: Feiern rund um die Baunataler Knallhütte

Der irre Rapper Romano: „Bei mir ist Mordsparty“

Kassels unbekanntester Pop-Star: Robot Koch

Oben-Festival auf der Baunataler Knallhütte im Mai: Sie lassen es bald knallen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.