Musikerin Sophie Hunger im Interview: „Ich habe geklaut"

Singt viersprachig: Die Schweizer Musikerin Sophie Hunger 2013 bei einem Festival in Crans-Montana. Foto: dpa

Sie ist der wichtigste Pop-Export der Schweiz: Sophie Hunger verbindet Pop, Jazz, Blues und Indierock. Auf ihrem neuen Album ist sie mit dem Ex-Fußballer Eric Cantona zu hören. Ein Interview.

Nach 250 000 verkauften Alben von „The Danger Of Light“ und international ausverkauften Konzerten hatte Sophie Hunger erst einmal genug von Musik. Die Schweizerin nahm sich eine Auszeit in Kalifornien und begann dort doch bald wieder mit dem Songschreiben. Auf der neuen CD „Supermoon“ singt die 32-Jährige mit ihrer tollen dunklen Stimme wieder auf Englisch, Deutsch, Französisch und Schwyzerdütsch. Oft klingt das balladesk, manchmal auch nach Rockröhre. Wir haben mit dem wichtigsten Pop-Export der Eidgenossen gesprochen und die Aussagen zusammengefasst.

Sophie Hunger über das Unterwegssein: Ich bin nicht gern lang an einem Ort. Zuletzt habe ich in Zürich und Kalifornien gelebt. Nun wohne ich in Berlin. Im Oktober werde ich weiterziehen. Drei Favoriten habe ich schon. Ich werde die Namen der Städte in einen Hut legen und den Gewinner ziehen. Wenn man sich für so ein Leben entscheidet, ohne Wurzeln zu schlagen, muss man sich von vielen Dingen trennen. Ich versuche, immer weniger Sachen zu haben. Das Problem sind meine Instrumente. Mein neues Lied „Queen Drifter“ handelt übrigens von einer Frau, die ohne Familie lebt und ständig unterwegs ist.

Über die Musik: Mir ist egal, ob man meine Musik Pop, Jazz, Blues oder Indierock nennt. Ich finde diese Aufteilung altmodisch. Für junge Musiker wird es immer unwichtiger, ob etwas Jazz oder etwas anderes ist. Man nimmt alles, was man hat und vermischt diese Elemente. Das ist das, was Popmusik am Ende ist. Diesmal habe ich mich auch von Autobahnraststätten inspirieren lassen. Und in „Supermoon“ gibt es einen Moment, in dem ich schreie. Das habe ich von Bruce Springsteen geklaut - und er hat es von der Band Suicide geklaut. Ich wollte mich einreihen in den Diebstahl.

Über das Kasseler Kulturzelt: Ich bin zweimal dort aufgetreten. Das Zelt ist außergewöhnlich gut gebaut, wie mir meine Tontechniker gesagt haben. Wir haben es untersucht, ich bin immer noch begeistert.

Über den ehemaligen Fußballer Eric Cantona, der mit Hunger in ihrer Cover-Version von „La Chanson d’Helene“ zu hören ist, das im Original von Romy Schneider und Michel Piccoli gesungen wurde: Eric hat zuletzt zwei meiner Lieder für seinen Film über die französischen Nationalspieler mit Migrationshintergrund verwendet. Ich brauchte einen Mann, der stark und zärtlich, aber nicht lächerlich klingt, wenn er diese Sätze in dem Chanson sagt. Es konnte nur er sein. Ich war schon immer ein großer Fan von ihm. Als Fußballer hat er mich durch viele dunkle Stunden getragen.

Über ihren Wohnort Berlin: Berlin hat sehr viel Platz. Im Vergleich zu Paris oder London sind immer sehr wenig Leute auf der Straße. Für Musiker ist Berlin auch deshalb cool, weil es für alles Leute gibt. Wenn ich zum Beispiel jemanden suche, der Free Jazz mit dem Kontrabass im Kopfstand spielt, dann finde ich den hier.

Über die deutschen Männer: Ich habe festgestellt, dass Männer hier Frauen nur ungern die Tür aufhalten, weil sie Angst vor eleganten Gesten haben. Meine deutschen Freunde finden das Türaufhalten bevormundend. Ihrer Ansicht nach signalisiert der Mann damit, dass sie zu schwach sei, die Tür aufzumachen. Das kann man auch entspannter sehen.

Sophie Hunger: Supermoon (Caroline/Universal).

Wertung: vier von fünf Sternen

Zur Person 

Geboren: am 31. März 1983 in Bern als Diplomatentochter unter dem Namen Emilie Jeanne-Sophie Welti

Ausbildung: Anglistik- und Germanistikstudium

Karriere: Hunger war Sängerin der Indierock-Band Fisher. Das Debütalbum der Multiinstrumentalistin erschien 2006.

Privates: Single, lebt in Berlin

Hobbies:  Sport, Hunger schaut auch sehr gern Sport im TV.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.