Während MTV ins Bezahlfernsehen abwandert, schalten Fans den Internetsender Tape.tv ein

Internetsender Tape.tv: Das Musikfernsehen lebt weiter

Schlicht und schön: Während auf Tape.tv ein Clip der Fantastischen Vier läuft, erscheint im Hintergrund Werbung. Foto: nh

Glaubt man den Machern von MTV, wird „Musik auch im kommenden Jahr großgeschrieben“ bei dem Sender, der vor 30 Jahren das Musikfernsehen erfand. Es soll tolle Formate wie „Fantastic Music Videos“ und täglich brandaktuelle Musikstrecken geben, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

Es ist nur die Frage, ob all die schönen Sendungen überhaupt jemand sehen kann. In Deutschland ist MTV ab dem 1. Januar nur noch im Bezahlfernsehen zu empfangen. Das Musikfernsehen, das zuletzt vor allem aus Serien, Doku-Soaps und Comedy-Formaten bestand, schafft sich konsequenterweise selbst ab. Musikfans müssen jedoch nicht in die Röhre gucken, denn im Internet gibt es das Musikfernsehen der Zukunft.

Schon seit zweieinhalb Jahren macht der Berliner Sender Tape.tv sein Programm. Mittlerweile ist der Erfolg so groß, dass Beobachter von einer „Revolution auf dem Gebiet der Musik und des Entertainments im Internet“ („Tagesspiegel“) sprechen. Die Idee ist genial einfach: Wer die Adresse www.tape.tv eingibt, sieht einen schwarzen Hintergrund, vor dem rund um die Uhr Musik-Clips laufen.

Das ist nicht anders als bei MTV in den 80ern. Nur kann hier jeder Nutzer Videos, die er nicht mag, überspringen, Playlisten seiner Lieblingstitel erstellen, diese an Freunde senden und bestimmte Genres wählen. Wer sich ein kostenloses Konto anlegt, kann so seine eigene Videothek anlegen. Tape.tv verbindet das beste aus beiden Welten: redaktionelle Kompetenz von Musikkennern mit den schlauen Algorithmen des Internets. „Nicht der User soll die Musik finden, sondern die Musik den User“, sagt der Werbefachmann Conrad Fritzsch, der die Firma mit zwei Kollegen 2008 gegründet hat.

In diesem Jahr verzeichnete seine Seite einen Nutzer-Zuwachs von 900 Prozent - derzeit sind es 2,2 Millionen. Unter den 30 000 Clips gibt es so ziemlich alles - vom Charts-Hit bis zum Indie-Künstler. Während viele Plattenfirmen ihr Material bei Youtube sperren lassen, stellen sie es Tape.tv exklusiv zur Verfügung. Künstler wie Lady Gaga, 2raumwohnung und Tocotronic zeigen ihre Videopremieren mittlerweile hier.

Finanziert wird das Onlinemusikfernsehen über Werbung per Flashanimation, die auf dem schwarzen Bildschirmhintergrund erscheint und inhaltlich auf den jeweiligen Film abgestimmt sein soll. Bei einem schwarz-weißen Clip gibt es etwa keine schrillbunte Werbung. Für diese Idee erhielten die Berliner bereits mehrere Preise.

Für Nokia-Handys gibt es Tape.tv sogar als Programm für unterwegs. Das muss dann aber doch nicht sein. Schon unsere Eltern warnten früher: Schau nicht zu viel MTV.

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