Große Kunst: Die japanische Geigerin beim Kultursommer Nordhessen in der Zierenberger Stadtkirche

Musikglück mit Midori in Zierenberg 

Ideale Partner: Die japanische Geigerin Midori und der türkische Pianist Özgür Aydin in der Zierenberger Stadtkirche. Foto: Hofmeister

Zierenberg. Nur unter ihrem Vornamen ist die japanische Geigerin Midori der Musikwelt bekannt. Dass sie beim Kultursommer Nordhessen in Zierenberg auftrat, war etwas Besonderes. So war die Stadtkirche mit ihren Wandmalereien aus dem 14. und 15. Jahrhundert ausverkauft.

Gute Geigerinnen gibt es derzeit viele, doch hat man bei dem Geigerinnenwunder oft den Eindruck, dass Stars gemacht wurden, um einen Markt zu befriedigen. Midori steht weit außerhalb dieses Verdachts. Vom ersten Ton hört man, dass hier eben kein Star, sondern eine Künstlerin am Werk ist.

Am Werk, das ist der Schlüssel für die Beurteilung ihres Spiels. Vier Stücke, eins gewichtiger als das andere, hatte sie aufs Programm gesetzt. Der scheinbar so leichte Mozart - die Es-Dur-Sonate KV 380 - stand am Anfang. Eine hohe Durchsichtigkeit des Spiels, eine perlende, bejahende Freude am Gestalten, zeichneten den Vortrag hier aus.

Schon hier erwies sich der türkische Pianist Özgür Aydin mit seinem einfühlsamen Spiel als idealer Partner am Klavier. Ein großer Brocken danach: Dmitri Schostakowitschs Sonate in G op. 134. Der Geigerin ist hier alles abgefordert, nicht nur technisch, sondern auch musikalisch. Auf den nach Mozart ganz anderen Stil hatte sich Midori famos eingestellt.

Romantik nach der Pause. Der ersten Violinsonate von Robert Schumann, teils energisch, teils hauchzart angegangen, folgte die geniale Fantasie in C-Dur von Franz Schubert. Ein kleiner Moment zu Beginn des ersten Satzes wurde zu einem großen: Als aus einem fahlen Geigenton, scheinbar beziehungslos über das plätschernde Gemurmel des Klaviers gesetzt, eine bewegende Melodie entstand, war inniges Musikglück da.

Hoch virtuos schließlich sind die Variationen über ein langsames Thema, die die Fantasie abschließen. Doch auch hier trat die Solistin hinter das Werk zurück, lässt Schuberts Ideenreichtum blitzen, ohne sich selbst in den Vordergrund zu spielen. Riesenbeifall, keine Zugabe, aber eine persönliche Verabschiedung der hinausströmenden Zuhörer durch die Künstlerin aus dem Fernen Osten.

Von Johannes Mundry

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