Der Musikkabarettist Sebastian Krämer zu Gast im Piazza in Vellmar

Melancholisch schön, mit verschmitzten Untertönen: Sebastian Krämer gastierte im Piazza in Vellmar. Foto: Schachtschneider

Vellmar. Über sich selbst sagt Sebastian Krämer spitzbübisch grinsend, er habe als Jugendlicher seinem Vater beim Korrigieren der Abi-Arbeiten über die Schulter geblickt: „Wenn die Arbeiten nicht gut waren, habe ich ihn beeinflusst, eine Fünf oder Sechs zu geben - und damit die jungen Menschen vor einer falschen Milde bewahrt.“

Klingt sarkastisch, ironisch, böse. Typisch Kabarettist. Doch das will der sensibel-freche Sprachartist und Musiker gar nicht sein: „Ich bin kein Kabarettist. Die sind gemein. Ich nicht. Sehnsucht ist gemein“, sagt er und blickt mit gespielter Schwermut in die Runde, wie ein Schuljunge, der grade sein Taschengeld verloren hat.

Viele Facetten

„Akademie der Sehnsucht“ heißt sein aktuelles Programm. Den 70 Besuchern bot der 36-Jährige damit am Donnerstag in Vellmar einen selbstironischen Abend voller Chanson-Aura, intellektueller Blödel-Poesie und verschmitzter Untertöne. Sebastian Krämer hat zum Vergnügen des Publikums viele Facetten. Der Clou: Er verschmilzt sie alle am liebsten gleichzeitig.

Wäre man des Deutschen nicht mächtig und würde man nur seine Musik einwirken lassen, so könnte man sein Programm für ein melancholisch schönes Chanson-Konzert halten: Gefühlvolle Klavierarrangements, schmeichelnd seufzende Liedermacherstimme, dazu noch sein Bruder Felix, der bei manchen Stücken das Cello streichelte.

Doch für seine Texte und die Art, wie er sie und sich dabei produziert, würden ihn wohl auch Entertainer wie Helge Schneider adoptieren. Für das „Kätzlein auf dem Cerankochfeld“, für sein „Gespräch der Krähen“ oder für seine „Fahrt durch Möllnhaus. „Ich fuhr durch Möllnhaus. Der Zug hielt nicht an“, singt er, unterbricht und fragt: „Kennen Sie Möllnhaus? Ich auch nicht. Der Zug hielt ja nicht an.“ Auch fürs „Kasseler Publikum hat er ein Lied gemacht“. Eins, „das das spezielle Lebensgefühl der Kasseler zeigt“, sagt er verschmitzt und verkündet: „Das Lied heißt Darmstadt.“ Lautstarke Umarmung vom Publikum und drei Zugaben.

Von Steve Kuberczyk-Stein

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.